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Samstag, 17. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
06.01.2005

Fröhlichmacher gibt den Milchmann Tevje

Von Hans-Christian Rudolf

Bad Hindelang
„Hindelang“, witzelt Schlagersänger Tony Marshall auf der Bühne beim „Festival der Volksmusik“ im Kurhaus, „das erinnert mich irgendwie an meinen letzten Friseurbesuch“. Als er gefragt worden sei, wie soll’s denn diesmal sein, habe er Folgendes geantwortet: „So wie immer vokuhila - vorne kurz und hinten lang“. Grad lustig zu ging es beim vorletzten Konzert seiner Tour „50 Jahre Tony Marshall“. Einige Stars der volkstümlichen Musik haben den Lockenträger sechs Wochen lang kreuz und quer durch Deutschland begleitet, um mit ihm ein halbes Jahrhundert Bühnenpräsenz zu feiern.

Zwei Stunden vor dem Konzert trudeln die Musikanten im Kurhaus ein. Vreni und Rudi tragen ihre Trachten über dem Arm. Der Saxophonist Pete Tex schnuppert an Vrenis neuem Parfum. Und die Mutter des 14-jährigen Nachwuchsstars Peter Michael erklärt, dass der Teenie-Schwarm auf der Heimfahrt nach der Aufführung im Auto schlafen muss, damit er am nächsten Tag wieder fit in die Schule gehen kann.
Tony Marshall – schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, Goldkette um den Hals - sitzt derweil vor einem Glas Sprudel im Kurhaus-Restaurant. Bei einem Brotzeitteller Bergkäse, den er großzügig mit „dem Mann vom Allgäuer Boten“ teilt, blickt der selbsternannte „Fröhlichmacher der Nation“ auf ein halbes Jahrhundert im Show-Business zurück.
„Das Musikgeschäft hat sich geändert“, philosophiert der 66-Jährige gebürtige Schwarzwälder über die Szene. „In den 50er Jahren gab es zehn Unterhaltungskünstler. Heute sind es hunderte.“ Mittlerweile diktiere die Musikindustrie schon den Kindern den Geschmack vor. „Deshalb besteht mein Publikum aus Menschen ab 40 Jahren aufwärts, die mit meiner Musik groß geworden sind.“ Und für die werde er auch weiterhin auf der Bühne stehen, verspricht der Hobby-Winzer. In seinem Alter müsse man nur etwas andere Musik machen. „Ich kann nicht ewig Schmachtsongs singen“, verzieht Marshall das Gesicht. „Der Costa (Schlagersänger Costa Cordalis, Anmerkung der Redaktion) hüpft heute noch so rum wie früher. Das ist doch peinlich.“ Über „den Costa“ könne er das erzählen. Schließlich sei der ein alter Freund. Und er sage ihm so etwas immer direkt ins Gesicht. Apropos: „Costa sah früher aus wie ein griechischer Adonis. Heute hat er nach den ganzen Schönheitsoperationen ein total viereckiges Gesicht“. Richtig gemacht habe es „der Howie“ (Howard Carpendale, Anmerkung der Redaktion). Sängerkollege Marshall mit Respekt: „Der hat aufgehört, bevor es peinlich wurde.“
Einer von dem man gerne träumt
Er selbst ist noch voller Pläne. Fröhliche Weinlieder und Operetten könne er auch in fortgeschrittenem Alter noch singen, beteuert der Mann im schwarzen T-Shirt. Außerdem will der ausgebildete Opernsänger ab Juni in Frankfurt in 90 Aufführungen den Milchmann „Tevje“ im Musical „Anatevka“ geben. „Ich kann schon den ganzen Text auswendig“, verkündet der Schlagersänger. Mit einem Strahlen in den Augen gibt er spontan und lauthals im Restaurant Kostproben aus seiner Rolle zum Besten.
„Im Allgäu ist immer gleich die Hölle los“, resümiert Marshall vor dem Konzert seine Bühnen-Erfahrung. „Bei den sturen Westfalen braucht man zum Beispiel länger, bis man sie für sich gewinnt.“ Da ist es Pech, dass sich auf die Frage der Moderatoren Vreni und Rudi (Marshall: „Das Beste, was die Schweiz derzeit zu bieten hat“) hin die meisten Zuschauer im Kurhaus als Westfalen und nicht als Einheimische entpuppen. Zumindest offenbart der Blick in den spärlich gefüllten Kursaal, dass sich Tony Marshall beim Einschätzen der Altersstruktur seines Publikums nicht geirrt hat.
Vor dem Star des Abends bemühen sich „Die Feldberger“, Sonja Christin, Pete Tex, Peter Michael und „Frau Wäber“ um die Gunst des Auditoriums. Erst dann tritt endlich der Mann ins Rampenlicht, den angeblich 98 Prozent der Deutschen kennen. „Auf der Bühne steht der Mann, von dem du immer geträumt hast“, singt Tony Marshall. Das Publikum ist happy.

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