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Samstag, 17. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
09.02.2005

Auf Alpweg gegen Stacheldraht geradelt

Von Brigitte Horn

Sonthofen
Weil er einen zu seiner Alpe führenden Feldweg mit Stacheldraht abgesperrt hat, damit ihm das Vieh „nicht auskommt“, muss ein Landwirt jetzt 575 Euro hinblättern. Denn ein Urlauber, der dort mit seinem Mountainbike unterwegs war und das Hindernis nicht sah, war gestürzt und hatte sich leichtere Verletzungen zugezogen. Bei der Verhandlung vor dem Sonthofer Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde das Verfahren letztlich eingestellt – unter der Voraussetzung, dass der Bauer ein Bußgeld in Höhe der dem Zeugen angefallenen Auslagen bezahlt.

Als der 29-jährige Urlauber an jenem September-Tag nach Hittisau radeln wollte, fuhr er auch durch ein Alp- und Weidegebiet nahe der österreichischen Grenze. Und dort hatte der Älpler, um das Vieh zu „hüten“, zwei Stacheldrähte quer über den Weg gespannt, aber nicht gekennzeichnet. Der Kölner sah diese gefährliche „Falle“ nicht. Das für ihn schmerzhafte Ergebnis: eine Risswunde am Ellbogen, die genäht werden musste, ein Schnitt im Daumen und ein aufgeschlagenes Knie.
Die Staatsanwaltschaft wertete das Verhalten des Landwirts als fahrlässige Körperverletzung oder gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (weil der Feldweg trotz seiner vorwiegend landwirtschaftlichen Nutzung als öffentlicher Verkehrsweg gilt) und schickte ihm einen Strafbefehl über 20 Tagessätze ŕ 30 Euro. Doch der 53-Jährige legte Einspruch ein, und so landete der „Fall“ vor dem Amtsgericht Sonthofen.
Dort entschuldigte sich der Bauer und räumte ein, die Absperrung „zu wenig markiert zu haben – aber aus Unwissenheit“. Richter Thorsten Wilhelm fand bei der „Einsichtnahme“ der Stacheldraht-Lichtbilder, dass dieses Hindernis eigentlich durchaus gut zu sehen gewesen sei. Weshalb letztlich auch ein „erhebliches Mitverschulden“ des Mountainbikers zu Grunde gelegt wurde. Und der aus Köln angereiste Zeuge zeigte kein Interesse an einer weiteren Strafverfolgung. Er versicherte außerdem, dass er von dem Angeklagten kein Schmerzensgeld verlangen und keine Schadensersatzansprüche gelten machen werde.

So wurde das Verfahren eingestellt – allerdings unter der Bedingung, dass der 53-Jährige (damit die Staatskasse nicht belastet wird) für die gesamten Auslagen des Verletzten aufkommt: die von der deutschen Krankenkasse nicht übernommene österreichische Arztrechnung und die Fahrtkosten zur Zeugenaussage.
Diese Summe „läppert“ sich zwar auch auf fast 600 Euro zusammen, aber der Angeklagte ist weiterhin nicht vorbestraft; er verließ den Gerichtssaal also mit der gleichen weißen Weste, mit der er ihn betreten hatte. Der Landwirt und Älpler war mit dieser Lösung offensichtlich höchst zufrieden: „Ich möchte mich bedanken“, verabschiedete er sich artig – und lud spontan Richter wie Staatsanwalt „im Sommer nach einem Spaziergang gern zu mir auf eine Käsbrotzeit ein“.

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