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Samstag, 17. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
13.10.2008

Kunst als Lebenselexier

Von Gunther le Maire | Sonthofen Der vor kurzem mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnete Sonthofer Maler Franz Meier wird am heutigen Montag, 13. Oktober, 75 Jahre. 1997 war ihm der Kunstpreis des Bezirks Schwaben zugesprochen worden.


So findet der Sonthofer Kunsterzieher, an Jahren alt, an künstlerischer Kraft völlig unverbraucht, eine späte künstlerische Anerkennung, die er sicher früher schon hätte haben können, wenn er nicht mit Leib und Seele Kunsterzieher gewesen wäre. Für den Gymnasiallehrer war damals wichtiger, den jungen Menschen Kunst zu vermitteln als selbst Kunst zu produzieren.

Viele ehemalige Schüler, auch wenn sie nichts mit der Kunst am Hut haben, sagen, er sei ein hervorragender Lehrer gewesen. Aber er hat natürlich auch Renommierschüler: Der berühmte Maler Jan Peter Tripp und der große Schriftsteller W. G. Sebald, der Münchner Maler Hans Friedrich und jene vor Ort, Arno Gabler, Heinz Düwell, Horst Weiss oder Uwe Rudolf.

Franz Meier, 1933 in Kempten geboren, in Landsberg aufgewachsen, war an der Kunstakademie München Schüler von Professor Franz Nagel, einem beachtlichen Kirchenmaler. Außerdem machte Meier eine Lehre als Keramiker. Nach dem Studium war er bis zu seiner Pensionierung 1993 in München, Oberstdorf und Sonthofen Kunsterzieher an Gymnasien. Erst als Pensionist stürzte er sich mit der ihm eigenen ungestümen Energie in die eigene Malerei.

Fast zärtliche Interpretationen romantischer Bildzitate

Zunächst entstand in grellen Farben Figuratives, dann malte er riesige Hände und Füße, wandte sich abrupt geradezu romantischen Wolkenbildern zu, blieb am Himmel mit Kondensstreifen von Düsenjets auf knallblauem Fond und überraschte dann

mit fast zärtlichen Interpretationen romantischer Bildzitate: Caspar David Friedrichs «Wanderer» oder Lenbachs «Knabe im Gras» in Betrachtung eines Jumbo-Kondensstreifens am kalten Himmel.

Dann folgten monochrom gemalte großformatige Männer- und Frauenakte von aggressiver Gegenständlichkeit, über die sogar die Bild-Zeitung als Provinz-Skandälchen umfangreich berichtete. Seine Bilder zu Marquis de Sade, ausgestellt im Foyer des Memminger Theaters, fanden großen Anklang. Rote Figuren stellte Franz Meier im Haus der Kunst in München und in verschiedenen Galerien in Deutschland aus. Später konfrontierte er seine hintergrundlosen roten Figuren mit antiken Repliken.

Dann wieder ein abrupter Wechsel: Zarte Frauenakte grün schimmernd, mit sanften Violetttönen, fast transparente Körper. Es folgten naturalistische Akte, kleinformatige Gebirgslandschaften, gelegentlich wieder mit Kondensspuren. Wieder überraschend: Fußballerbilder, Bürgermeister Hubert Buhl als Gipfelstürmer.

Bei seinen jüngsten Ausstellungen in Landsberg und mit seinen prämierten Bildern auf der Kemptener Festwoche wieder Neues: sehr malerisch aufgefasste große Menschenansammlungen, wie immer akribisch und sehr überlegt gemalt, reife Arbeiten eines eigenwilligen Könners.

Meier hat sich engagiert für die Kunst im Allgäu. Er hielt aufgrund seines umfassenden kunsthistorischen Wissens viele ausgezeichnete Vorträge - von Romanik über Spitzweg bis Leo Rauch -, schenkte der Stadt Sonthofen Werke des Malers Heinrich Barth (in dessen früherem Haus Meier heute lebt), wetterte gegen Hochstapeleien von Möchtegern-Künstlern oder gegen Miserables und Mittelmäßiges, mit denen oft auch der öffentliche Raum «geschmückt» wird.

Diplomatie ist nicht seine Stärke, aber Ehrlichkeit und Formulierungskraft, Engagement und Tatkraft. Dadurch wurde Meier auch einer der höchstdekorierten Rotarier Südbayerns. Mit seiner Kunst hat er noch viel vor, 75 Jahre sind keine Zäsur für ihn. Kunst ist sein Lebenselexier.


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