zur Suche
zur Navigation
zum Inhalt
zum Seitenfuß

Allgäuer Anzeigeblatt

Allgäuer Zeitung

Montag, 19. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
14.05.2009

Ein großer Könner tritt aus dem Schatten

Viele seiner Arbeiten sind unwiederbringlich verloren, vernichtet durch Feuer, zerstört durch Bomben. Doch was sich an Bildern erhalten hat, belegt schon auf den ersten Blick: Joseph Anton Fischer war ein bedeutender Künstler. Zwei Ausstellungen erinnern nun in seinem Heimatort Oberstdorf an ihn, nähern sich anlässlich des diesjährigen 150. Todestages der Person und dem Werk.

Die Präsentation im Untergeschoss des Heimatmuseums beleuchtet schlaglichtartig Leben und Arbeitsfelder des 1814 geborenen und 1859 verstorbenen Malers, der bereits mit 17 Jahren an der Kunstakademie München studierte und mit 18 Jahren für einen Auftrag des Kronprinzen Maximilian von Bayern in Oberitalien Kunstwerke der Renaissance kopierte.

Fischers außerordentliches Talent als Zeichner dokumentiert zum Beispiel eine großformatige Arbeit des 16-Jährigen. Sie zeigt die Figuren der Heiligen Katharina und des Heiligen Martin als Detail aus dem alten gotischen Flügelaltar der Oberstdorfer Pfarrkirche, der ebenso durch den großen Brand von 1865 zerstört wurde wie ein Großteil des Nachlasses von Joseph Anton Fischer.

Erhalten blieb ein reicher Fundus an Skizzen und Studien, wie Albert Vogler, Vorsitzender des Museumvereins erläuterte. Diese Blätter, deren Qualität von großer Meisterschaft kündet, konnten jetzt im Vorfeld der Ausstellung durch Wilhelm Geierstanger von der Initiative Villa Jauss teilweise den Hauptwerken zugeordnet werden.

Diesen Hauptwerken, Glasfenstern für die Maria-Hilf-Kirche in München-Au und den Kölner Dom, widmet sich die Ausstellung im Kunsthaus Villa Jauss. Sie gibt mit Anatomie-, Mantel- und Faltenstudien nicht nur einen Einblick in Fischers präzise Arbeitsweise, sondern verdeutlicht mit zeitgenössischen Lithografien, welche Wertschätzung diese Werke schon zu Lebzeiten des Künstlers genossen.

Im Auftrag König Ludwigs I.

In einem Diavortrag erläuterte Kunsthistorikerin Dr. Elgin van Treek-Vaasen bei der Vernissage Konzeption und Ausführung dieser Glasfenster, die im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern entstanden. Sie wies dabei nach, wie sich Fischer für seine romantisch-nazarenischen Heiligenbilder - etwa den Marienzyklus für München - von Werken der italienischen Renaissance und der altdeutschen und flämischen Tafelmalerei inspirieren ließ.

Während die Münchner Glasfenster im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, haben jene für den Kölner Dom gestifteten Kunstwerke die Zeiten überdauert. Sie thematisieren die «Anbetung der Könige», die «Beweinung Christi» und die «Herabkunft des Heiligen Geistes».

Auch die für jene Fenster von Fischer gezeichneten Kartons, die den Glasmalern dann als Vorlage dienten, sind noch vorhanden.

Das gescheiterte Projekt

Mit ihnen war eine dritte Ausstellung in der Loretto-Kapelle geplant. Diese scheiterte jedoch an den hohen Kosten des Projektes, wie Dr. Wolfgang Nettesheim, Vorsitzender der Initiative Villa Jauss bedauerte. Bürgermeister Laurent Mies bat um Verständnis, dass bei der angespannten finanziellen Situation für die Marktgemeinde auch im Bereich der Kultur nicht alles möglich sei. Die Kartons auszustellen, wäre deswegen so kostspielig gewesen (mindestens 10000 Euro), erklärte Treek-Vaasen, weil die Arbeiten eingerollt gelagert seien und beim Öffnen restauriert werden müssten.

Doch auch ohne diese Stücke vermitteln die Oberstdorfer Ausstellungen ein eindrucksvolles Bild von der Künstlerpersönlichkeit Joseph Anton Fischers, eines Einzelgängers, der nur für seine Arbeit gelebt haben soll und der bisher im Schatten eines anderen Oberstdorfer Nazareners stand: Johann Baptist Schraudolph. Vielleicht endet dieses Schattendasein allmählich durch solch informative Werkschauen.


Zurück

Hallo Allgäu
Das neue Wochenblatt
am Wochenende
Veranstaltungen 2019
Veranstaltungen 2019

Die Topadresse

Hermann GmbH
Gastronomie-Ausstattung


Adolph-Probst-Str. 1
87509 Immenstadt

BUCHSHOP




EBERL MEDIEN