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Allgäuer Zeitung

Montag, 16. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
29.08.2009

«In Brüssel noch mehr auf den Tisch hauen»

Wenn sich binnen zwei Jahren der Milchpreis halbiert, sehen sich viele Bauern mit dem Rücken zur Wand, wurde jetzt bei einer Informationsveranstaltung (organisiert vom BDM) in Petersthal deutlich. Um aus der prekären Situation herauszukommen und dauerhaft einen kostendeckenden Milchpreis zu erreichen, plädiert Romuald Schaber schon lange, die flexible Milchmengenbegrenzung in Bauerhand zu legen, wozu es eines gesetzlichen Rahmens möglichst in der EU bedürfe.


Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter
(BDM) kritisierte vor knapp 600 Besuchern die
Milchmengenausweitungen der EU, was zu einem weiterem
Preisverfall und Höfesterben führen werde. Leider
würden deutsche Politiker und auch Teile des Bauernverbandes
nicht voll dagegensetzen, obgleich Deutschland der
größte Nettozahler der EU sei. Verbale
Unterstützung genieße der BDM durch die CSU, doch
müssten Seehofer und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse
Aigner in Berlin und Brüssel «noch mehr auf den Tisch
hauen», betonte Schaber.



Forderungen vor Ausschuss in Brüssel vorgebracht



Als Präsident des European Milk Board versucht Schaber eine
Bündelung der Milchbauern in Europa zu erreichen: «Die
haben oft dieselben Probleme», der bäuerliche Frust
wachse überall. Vor dem neu gewählten Agrar-Ausschuss
in Brüssel habe er die Forderungen der Milchbauern
vorgebracht.



Die EU-weite, rechtlich abgesicherte Mengenbegrenzung auf Basis
einzelbetrieblicher Referenzmengen und der Vollkostenanalyse habe
auch hier zu seiner Kernforderung gezählt, ebenso eine
sofortige stufenweise Anhebung des Milchpreises durch folgende
Maßnahmen: Einschränkung der nationalen
Saldierungs-Möglichkeiten, Einfrieren der einprozentigen
Quotenanhebung sowie die europaweite Ausschreibung einer
freiwilligen, zeitlich begrenzten Mengenreduzierung. Die
Zuhörer untermauerten die Forderungen mit Beifall - und
Empörung über die Politik.



«Eigentlich ist Bäuerin sein der schönste Beruf
der Welt, aber harte Arbeit für ein Almosen - das kanns
nicht sein», meinte beispielsweise Bäuerin Lucia Egner
aus Obersöchering (Landkreis Weilheim-Schongau).



Viertägiger Hungerstreik vor dem Kanzleramt



Verärgert darüber habe sie mit fünf weiteren
Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt einen viertägigen
Hungerstreik durchgezogen. «Wenn man bald mit 80 Kühen
nicht mehr vernünftig über die Runden kommt, dann ist
was faul in diesem Lande», so die Landwirtin.



Viel zu wenig würden große gesellschaftliche
Leistungen der Bauern geschätzt: «Wir erziehen unsere
Kinder noch selber, wir betreuen unsere Alten noch selber, wir
pflegen Dorfgemeinschaft und Kulturlandschaft.»



Doch seien von den 240000 landwirtschaftlichen Betrieben Bayerns
im Jahre 1970 gerade noch 50000 übrig.

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