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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
22.09.2009

Eine Erlösungstat beflügelt

Während viele Meisterwerke Georg Friedrich Händels für Generationen im Dunkel der Archive schlummerten und erst seit einigen Jahren hin und wieder einmal im Rampenlicht der Opernbühnen und Konzertpodien zu bestaunen sind, hat das Oratorium «Messias» seit seiner Uraufführung 1742 über Jahrhunderte hinweg das Interesse der Interpreten geweckt und so den Ruhm des Barockmeisters begründet. Weshalb, das machte jetzt eine Aufführung zum 250. Todestag des Komponisten in der Oberstdorfer Christuskirche deutlich.


Dort entfalteten der hochengagierte Chor und das Orchester des
evangelischen Gotteshauses unter der ambitionierten Leitung von
Dekanatskantor Johannes Böckler den Reichtum von
Händels mitreißender Musik: ihre illustrative Kraft,
ihre melodische Schönheit, ihre gedankliche Tiefe. Letztere
deutete Oberkirchenrat i. R. Dr. Theodor Glaser aus München
in seiner sehr persönlichen meditativen Begleitung an, die
den Kern von Händels Werk herausarbeitete: Eine leicht
fassbare und doch facettenreiche Darstellung von Geburt,
Leidensweg und Auferstehung des Gottessohnes, beständig
gespiegelt in der Bedeutung, die die Erlösungstat des Jesus
von Nazareth für den gläubigen Christen besitzt.



Halleluja mit großer Wirkung



Mit welchem Feuer, welcher Leidenschaft und welcher Fantasie
Händel dabei dem eigentlich undramatischen theologischen
Stoff pralles Leben verleiht, das arbeitete Johannes Böckler
mit seinen beiden Ensembles plastisch heraus. Vor allem der
vielgeforderte Chor, der zum Großteil aus Laien besteht,
ließ sich von Händels Musik zu einer Glanzleistung
beflügeln. Berühmte Sätze wie der Jubel
«Denn es ist uns ein Kind geboren» oder das
majestätische «Halleluja» entfalteten
große Wirkung.



Böckler, der ganz im Dienste der Musik agiert, geht
koloraturenreiche Stellen dabei manchmal bedächtig an,
führt seine Sänger so aber stets geschickt über
technische Hürden.



Das Solisten-Quartett wirkt nicht ganz homogen: Den schlanken und
flexiblen Stimmen von Martina Koppelstetter (Alt), Stefan
Heidweiler (Tenor) und Thomas Gropper (Bass) steht die etwas
reifere von Ursula Wiedmann (Sopran) gegenüber. Allen
Solosängern gemeinsam ist jedoch eine intensive Ausdeutung
des Textes, die im munter artikulierten Orchesterspiel ihre
Entsprechung findet.



Am Ende begeisterter Applaus für die konzentrierte Leistung
aller Beteiligten, vor allem des Chores, in dieser über drei
Stunden dauernden Aufführung ohne Pause.

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