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Allgäuer Zeitung

Montag, 19. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
24.09.2009

Wo der Ichthyosaur zum Ichthyosüß wird

«Der Karneval der Tiere» und andere animalische Geschichten eröffneten bei einem «Festlichen Konzert» die 15. «Oberstaufner Kulturtupfer». Der Schauspieler Christian Quadflieg, vielen auch als Fernsehstar bekannt, rezitierte im ersten Teil des Programms Gedichte von Heinrich Heine, Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern, Wilhelm Busch, Eugen Roth und anderen Autoren, die einen humorvollen bis ironisch-satirischen Blick auf tierische Zeitgenossen werfen, hinter deren Verhalten sich ohne Zweifel menschliche Schwächen und kuriose Eigenheiten verbergen.


Auch die zwischen die Texte eingestreuten Kompositionen, so der
«Kuckuck» des französischen Barockkomponisten
Louis-Claude Daquin, Gabriel Faurés
«Schmetterling» oder Nikolai Rimsky-Korsakows
berühmter «Hummelflug» widmeten sich
«Tierischem». Die Pianistin und Hochschullehrerin
Silvia Hewig-Tröscher, die kurzfristig für die
erkrankte Gitti Pirner eingesprungen war, ließ auf dem
Piano lautmalerisch und vielfältig die diversen Tierstimmen
erklingen. Der Cellist Reiner Ginzel, der neben Bearbeitungen
auch eigene Kompositionen präsentierte, ließ sein
Cello in höchsten Flageoletttönen zirpen, in weichen
Glissandi dahinschweben und im tiefsten Basstremolo
gravitätisch gleichsam daherschreiten. Der Imitationslust
schienen kaum Grenzen gesetzt.



Über allen diesen «kleinen Kostbarkeiten der Lyrik und
der Musik», wie Christian Quadflieg kommentierte, schwebte
ein abgeklärter Humor, ein milder, mitunter verschmitzter
Blick auf die tierisch-menschlichen Unzulänglichkeiten. Etwa
wenn in Friedrich Theodor Vischers Gedicht «Ein
Ichthyosaur» der liebestrunkene Kavalier in Anbetung seiner
Ichthyosaur-Dame zum «zärtlichsten
Ichthyosüß» mutiert.



Der zweite Teil des Konzertes war Camille Saint-Saens
berühmtem «Karneval der Tiere» vorbehalten.
Musikalisch hat Reiner Ginzel eine höchst originelle
Bearbeitung für Klavier und Cello geschaffen, zu der der
Text von Loriot, vor allem dessen mitunter galliger Humor,
kongenial passte. Christian Quadfliegs ausdrucksstarke und
vielseitige Rezitation vermittelte eindrucksvoll die
hintergründigen bis tiefsinnigen Sprachnuancen des Textes.



Wunderbar auch, wie Sylvia Hewig-Tröscher das allgemeine
Aufbruchs-Durcheinander der Tiere am Ende durch die aufgeregte
Musik am Klavier bildlich werden ließ. Mit einer
amüsanten Textzugabe von James Krüss («Wenn die
Möpse Schnäpse trinken») und einer
originell-feurigen Komposition für Cello und Klavier von
Reiner Ginzel endete ein überaus vielseitiges und
humorvolles Programm, von dem als Fazit bleibt: Einfach
«tierisch» gut!

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