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Allgäuer Zeitung

Dienstag, 21. Januar 2020
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
01.10.2009

Beim Abnehmen die ganze Familie einbeziehen

Ein Programm für übergewichtige Kinder und ihre Familien bietet die Oberstaufner Ernährungsmedizinerin Dr. Andrea Wirrwitz-Bingger gemeinsam mit drei weiteren Experten ab Oktober in Sonthofen an. «Obeldicks» heißt die Schulung, die von den Krankenkassen finanziert wird und sich über ein ganzes Jahr hinzieht. Das Ziel: Eine langfristige Gewichtsabnahme und eine Verhaltensänderung innerhalb der Familie, was Ess- und Bewegungsgewohnheiten angeht. Und das ohne Aufenthalt in einer Klinik, sondern mithilfe ambulanter Betreuung.


«Wichtig ist, dass wir die Familie mit einbeziehen - das
kann auch heißen, dass Oma und Opa geschult werden»,
erklärt Wirrwitz-Bingger. Die Ärztin sieht dringenden
Handlungsbedarf: «20 bis 27 Prozent der Kinder und
Jugendlichen sind zu dick. Übergewicht, das ins
Erwachsenenalter mitgeschleppt wird, führt zu
gesundheitlichen Problemen.» Schon im Teenageralter
hätten heute immer mehr Menschen mit Typ II-Diabetes zu
kämpfen, fügt Diätassistentin Barbara Graf hinzu,
die auch zum Team gehört. «Früher war das ein
Problem der mindestens 65-Jährigen», sagt sie.



Experten arbeiten zusammen



Das Besondere am Obeldicks-Programm ist, dass Experten aus
unterschiedlichen Disziplinen zusammenarbeiten. «Wir bieten
die Chance, aus gefestigten Familienstrukturen auszubrechen - da
braucht es ein Team dazu», betont Andrea Wirrwitz-Bingger.
Im Boot sind neben Ärztin und Diätassistentin auch ein
Psychologe und eine Sporttherapeutin. Bewegung gehört also
genauso zum Programm wie gemeinsames Kochen und Einkaufen und ein
Essverhaltenstraining. Die Schulungen finden wöchentlich
statt.



Den Grund dafür, dass es immer mehr dicke Kinder gibt, sehen
Wirrwitz-Bingger und Graf unter anderem in der zunehmenden
Auflösung von Familienverbänden - es werde immer
weniger gemeinsam gegessen, berufstätigen Eltern fehle
häufig die Zeit für ausgewogene und gemeinsame
Mahlzeiten. «Manche Mütter lernen heute auch gar nicht
mehr, richtig zu kochen.



Sie wissen nichts über Nährstoffe und stellen einfach
Fertiggerichte auf den Tisch», erklärt
Wirrwitz-Bingger.



Ist ein Kind erst einmal dick, beginne oft ein Teufelskreis aus
Frust-essen, Ausgegrenzt-Sein und einer gestörten
Körperwahrnehmung. Programm seien die dicke Kinder unter
sich und könnten sich im geschützten Raum an Bewegung
und Sport herantasten, sagt Graf: «Ohne Angst,
gehänselt zu werden.»

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