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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 18. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
13.10.2009

Blitzschnell fliegen die Fäuste

«Das Metier ist mit Gefahren verbunden.» Mit dieser Erklärung versuchte der Verteidiger eines jungen Mannes zu relativieren, dass sein der Körperverletzung beschuldigter Mandant vor einer Diskothek in Sonthofen gleich zwei Bundeswehr-Soldaten mit Faustschlägen traktiert hatte. Immerhin erlitt einer der beiden einen Nasenbeinbruch. Der andere leidet noch immer unter der Attacke ins Gesicht. So leicht wie der Rechtsanwalt machte es sich Richter Andy Kögl beim Prozess vor dem Amtsgericht Sonthofen indes nicht. Ungeachtet der Unterstellung des Verteidigers, die Opfer hätten gelogen, verurteilte er den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 30 Euro.


Dass es sich bei dem mit den Fäusten sehr fixen, aber
ansonsten eher schmächtig wirkenden jungen Mann nicht um ein
Unschuldslamm handeln konnte, wurde dem Gericht schon durch die
Aktenlage klar: Zwei einschlägige Vorstrafen wegen
Körperverletzung sprachen eine deutliche Sprache. Und da war
noch ein Vorfall, der sich Wochen vor der jetzigen zu
beurteilenden Schlägerei ereignet hatte. Diesen in die
Anklage aufgenommenen Tatvorwurf beantwortete der Richter indes
mit einem Freispruch. Denn es sei nicht einwandfrei erwiesen, ob
nicht doch eine Notwehrlage des Angeklagten vorgelegen habe,
zumal das damalige Gegenüber mit einem Messerangriff gedroht
haben soll.



Blieb das Ereignis rund um die Diskothek. Vier Zeugen ließ
das Gericht zu Wort kommen, um das Geschehen aufzuhellen. Weil
dabei nicht alles in den Schilderungen übereinstimmte, kam
der Verteidiger zum Schluss, dass die Opfer zumindest
«äußerst unglaubwürdig» ausgesagt
hätten, weswegen eine Einstellung des Verfahrens angezeigt
sei.



«Eine mitgegeben»



Dabei hatte der Angeklagte zuvor offen eingeräumt, beiden
«eine mitgegeben» zu haben. Einem Kopfstoß ins
Gesicht des einen folgte blitzschnell ein Faustschlag auf die
Nase des anderen. Angeblich hatten die beiden Soldaten seinen
Freund und ihn auf der Tanzfläche der «Disco»
unnötig provoziert.



«Das war falsch von meiner Seite, es war aber auch falsch
von der anderen Seite», wollte der Angeklagte nicht die
Alleinschuld an der Rauferei auf sich nehmen. Im Übrigen bat
er um Milde, da er jetzt einen Job gefunden und eine Familie
gründen wolle. «Das war keine Notwehr», wischte
die Staatsanwältin indes Argumente vom Tisch, der Angeklagte
habe sich nur verteidigen wollen.



Vor Gericht kam auch einer der Türsteher des Nachtlokals zu
Wort. Er gab zu, dass es in letzter Zeit viel Ärger dort
gegeben habe, weswegen die «Disco» auch nicht mehr so
lange in der Nacht geöffnet sein darf. Die Frage des
Gerichts, ob denn zur Vorbeugung von Schlägereien eine
Video-Überwachung eingerichtet worden sei, musste der
Türsteher allerdings verneinen.

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