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Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
24.10.2009

Wenn Götter auf Erden Verwirrung stiften

Mit dem Lustspiel «Amphitryon» von Heinrich von Kleist gastiert die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker aus Hanau am Montag, 26. Oktober, in Sonthofen. Das Stück entstand 1803 und handelt von dem Verwirrspiel, das entsteht, als Göttervater Jupiter beschließt, sich in der Gestalt des Amphitryon dessen Frau für eine Liebesnacht zu nehmen.


Die Schauspieler Ingrid Hoffmann und Franz Wacker haben sich vor
sechs Jahren selbständig gemacht und mit Kollegen
verschiedene Stücke auf die Beine gestellt, mit denen sie
dann auch in Deutschland unterwegs waren. Eines davon ist das
Lustspiel Kleists, in dem es vor allem um das Problem der
Identitätsfindung geht. Stefan Nowicki sprach mit Franz
Wacker über das Stück und das Ensemble.



Herr Wacker, seit 2003 gibt es die Theaterproduktion
Hoffmann-Wacker. Sie arbeiten zusammen mit Ingrid Hoffmann
freiberuflich als Schauspieler. Wie ist diese Freiheit zu
verstehen?



Franz Wacker: Wir haben über 20 Jahre in Berlin gelebt und
dort gespielt. Dann sind wir nach Hanau gegangen, da meine Frau
von hier stammt. Die Situation dort führte zu der Idee,
selber etwas zu produzieren. Als Aufführungsort entdeckten
wir dann die Burgruine Schloss Auerbach in Bensheim an der
hessischen Bergstraße. Dort entwickeln wir jährlich
ein neues Stück und gehen dann damit auf Tournee.



In der Theaterproduktion sind Sie Schauspieler und Regisseur.
Kommt man da nicht in Konflikte mit sich selbst?



Franz Wacker: Als Regisseur muss man lernen, dass man, sobald man
auf der Bühne steht, Kollege ist. Man muss zu 100 Prozent da
sein und kann das Stück nicht gleichzeitig verfolgen. Das
ist nicht immer leicht.



Haben Sie ein besonderes Ziel?



Franz Wacker: Wir wollen dem Autor gerecht werden, das, was der
Autor mit dem Stück wollte, herauskristallisieren und dem
Publikum leicht verständlich machen.



Wie ist das bei Kleists «Amphitryon»?



Franz Wacker: Das ist eine sehr schwierige Sache. Die
Irritationen zwischen den Entscheidungen von Herz und Verstand.
Wem vertraut man nun? Das kennt das Publikum bei sich selbst. Es
geht um Liebe und um die Aspekte in einer Beziehung. Die
Götter lösen Irritationen aus, und so kommt es immer
wieder zu auch amüsanten Momenten.



Was ist Ihrer Meinung nach die dankbarere Rolle, Jupiter oder
Amphitryon?



Franz Wacker: Das kann man so nicht sagen. Der Jupiter ist
komischerweise, obwohl er sehr hochnäsig ist und alles
durcheinanderbringt, weniger sympathisch. Amphitryon hat da mehr
Sympathien, weil er eigentlich nur sein Recht einfordert.



Finden Sie leicht Kollegen, die bei Ihnen mitmachen möchten?



Franz Wacker: Es ist heutzutage komplizierter geworden, da viele
Kollegen zusätzlich jobben müssen und ihre Jobs nur
schwer aufgeben können, um mit auf Tournee zu gehen.



Ist die über zweihundert Jahre alte Sprache Kleists und der
in einem festen Versmaß verfasste Text heute nicht ein
Hindernis für viele im Publikum?



Franz Wacker: Nein, wenn man viel mit dem Text arbeitet und als
Schauspieler erkennt, wie genau und ganz präzise gewollt
Kleist etwas formuliert, dann kommen die Emotionen, die er
vermitteln will, fast von alleine, und das Publikum versteht,
weil der Schauspieler es verstanden hat.



Was, würden Sie sagen, ist das wesentliche Thema des
Stückes?



Franz Wacker: Wesentlich ist, denke ich, wenn jemand in
Gefühlsnöte kommt und versucht damit klarzukommen.
Alkmene verlässt sich ja hundertprozentig auf ihr
Gefühl und bringt andere damit in Nöte. Das darf man so
eigentlich nicht machen. Dazu kommt das Problem, wer man
eigentlich ist.



Plötzlich steht man sich selbst gegenüber und man muss
begreifen, wer man eigentlich ist, was einen selbst ausmacht, um
den Beweis der eigenen Identität zu führen. Und wie die
Götter sozusagen demontiert werden.



Aufführung: Die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker
präsentiert das Lustspiel «Amphitryon» von
Heinrich von Kleist am Montag, 26. Oktober, um 20 Uhr im
Sonthofer Haus Oberallgäu. Karten sind im Gästeamt im
Rathaus, Telefon 08321/615-291, oder an der Abendkasse ab 19 Uhr
erhältlich.

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