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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
14.11.2009

«Ich würde alles genauso wieder machen»

Fluchthilfe, Verrat, Verhaftung und Verhöre im Gefängnis der Staatssicherheit der DDR: Es war schwere Kost, die Karl-Heinz Richter den Zehntklässlern des Oberstdorfer Gertrud-von-le-FortGymnasiums servierte. Als Vorbereitung auf eine Studienfahrt im April, die die Schüler auch nach Höhenschonhausen bei Berlin führen wird, berichtete der einstige StasiGefangene über sein Schicksal.


Dies waren knapp zwei Stunden spannender Geschichtsunterricht,
der bei den Jugendlichen durch die Bank Eindruck
hinterließ. Maria und Evelyn brachten es auf den Punkt:
«Wir haben unsere Klasse selten so konzentriert und
aufmerksam erlebt», sagten die Schülerinnen nach dem
Vortrag des Berliners.



Am eigenen Beispiel schilderte Karl-Heinz Richter den
Zehntklässlern drastisch, wie Diktaturen mit Andersdenkenden
umgehen. Richter, der in der Gedenkstätte
Hohenschönhausen als politischer Referent Führungen
leitet und mit seinem autobiografischen Büchern bundesweit
in Schulen geht, traf damit die Jugendlichen voll am Nerv.
Hilfreich waren ihm seine authentische «Berliner
Schnauze» und sein Humor, der ihm trotz aller Tragik nicht
verloren ging. So folgte auf den Bericht der grausamsten
psychischen und physischen Folter ein augenzwinkernder Witz, der
den Schülern die Anspannung nahm.



Der 63-Jährige berichtete, wie er sich als 17-jähriger
Oberschüler mit dem Mauerbau nicht abfinden mochte, etlichen
Freunden zur Flucht verhalf, sich bei seinem eigenen
Fluchtversuch beide Beine brach, von einem Kumpel verraten wurde
und schwer verletzt im Gefängnis landete.



Zwar durfte Richter 1975 aus der DDR ausreisen. Er machte sich
aber mit falschem Pass erneut in den Osten Deutschlands auf und
verhalf hochkarätigen Medizinern zur Flucht. «Dass die
Elite ging, traf die Machthaber empfindlich», erklärte
er den Schülern. Sein weiteres Leben verbrachte er auf der
Flucht vor der Stasi - in Westafrika, Saudi-Arabien und im Jemen.
Kinoreif sei das Ganze, meint auch Produzent Bernd Eichinger, der
sich inzwischen mit der Verfilmung des Richterschen Lebens
befasst.



Die Schüler interessierte anschließend, wie die
Familie mit einem Leben auf der Flucht klargekommen sei. Seine
Tochter werfe ihm Rücksichtslosigkeit vor und habe mit ihm
gebrochen, bedauerte Richter. Aber: «Ich würde alles
genauso wieder machen», versicherte er. Richter appellierte
an die jungen Zuhörer, sich politisch zu engagieren und
Demokratie nicht als etwas Selbstverständliches zu nehmen.

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