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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
04.12.2009

Psychisch Kranken vor Ort helfen

Beteiligt sind viele und so haben auch alle Beteiligten des sogenannten Gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) den Kooperationsvertrag Kempten-Oberallgäu besiegelt. Der GPV ist Nachfolger der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) und baut laut Koordinatorin Silva Schneller auf zwei Säulen: Zum einen gehe es um eine personenbezogene Zusammenarbeit, um für Betroffene die notwendige Hilfe zu entwickeln. Zum anderen sollen die Organisationen und Einrichtungen vernetzt werden. Aufgabe von Silva Schneller wird im nächsten Jahr unter anderem wieder die Koordination der Woche der seelischen Gesundheit im März sein.


Eigens zur Vertragsunterzeichnung war auch
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert gekommen. Er
zeigte die Entwicklung der Psychiatrie zur Sozialpsychiatrie auf
und betonte: Das Handeln sei auf die betroffenen Menschen
gerichtet. Derzeit würden im Bezirk etwa 20 000 Personen
über die Ambulanzen versorgt. Man bemühe sich um
Lösungen, die sich nach dem Bedarf des Menschen richten. Er
soll in seiner Heimat, in seinem Umfeld weiter leben können.
Diese Ansätze für den sozialen Raum gelte es zu
stärken. Laut Reichert wurden mit den Tagesstätten, den
sozialpsychiatrischen Diensten, den Arbeitsprojekten bereits neue
Wege beschritten.



Doch die klinische Versorgung, so Reichert, reiche nicht. Man
müsse sich auch bei der Vorsorge engagieren. Erste Erfolge
gebe es bereits: «In den letzten fünf Jahren nehmen
die extrem teuren Maßnahmen ab, dafür nehmen die
Hilfen vor Ort zu.» Das sei wesentlich
menschenfreundlicher. Möglich sei dies allerdings nur, weil
auch die entsprechenden Wohlfahrtsverbände mit dem Bezirk an
einem Strang ziehen würden.



Der neue Kooperationsvertrag hat einen Personen zentrierten
Ansatz. So heißt es unter anderem in Paragraf 1: «
Der Mensch steht im Mittelpunkt und soll individuelle und
Personen zentrierte Hilfen in der Region erhalten. Ambulante
Versorgungsformen stehen dabei im Vordergrund eines
differenzierten Versorgungsnetzes.»



Siegfried Roscher, Mitglied im Verband der Angehörigen
psychisch Kranker (apk) erhofft sich durch den
Kooperationsvertrag beispielsweise eine zügigere
Durchsetzung und einen besseren Rahmen für die Vernetzung.

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