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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
16.12.2009

Glücksgefühle um acht Uhr in der Früh

In den Vereinen im südlichen Oberallgäu wird nicht nur großer Wert auf Breitensport gelegt. Ziel ist es auch, Nachwuchssportler zu fördern und an die Spitze zu bringen. Wir stellen die größten Talente der Region vor.


Oberstaufen Im Skifahren hat es Philipp Schmid vom SC Oberstaufen
schon weit gebracht. Seit 20 Jahren steht der 23-Jährige
bereits auf den Brettern und hat es durch kontinuierliches
Training bis an die deutsche Spitze geschafft. Er wurde deutscher
Vizemeister im Riesenslalom in der Saison 2007/08 und im
vergangenen Winter landete er im Slalom auf dem dritten Platz.
«Philipp ist ein richtiger Wettkampftyp. Er ist im Moment
sehr gut drauf», lobt ihn sein Konditionstrainer
Günther Hartung vom Olympiastützpunkt in Oberstdorf.
«Bereits in der vergangenen Saison konnte er
Weltcup-Einsätze herausfahren. Die Chancen stehen sehr gut,
dass dies auch in diesem Winter wieder klappt.»



Ständig unterwegs



Das Streben nach großen internationalen Erfolgen erfordert
ein Leben für den Sport. Vor allem im Winter, aber auch in
den Sommermonaten ist das Skitalent sehr viel unterwegs.
«Das Kofferpacken wird zur Gewohnheit. Bis zu den ersten
Rennen sind wir circa 50 Tage auf dem Gletscher und dann sind wir
eigentlich ständig unterwegs», berichtet der
23-Jährige. Ob Skandinavien, Frankreich, Italien, Kroatien
oder Slowenien - die Rennen im Europacup erfordern lange
Anfahrtszeiten, die sich für Philipp bisher gelohnt haben.



In der vergangenen Europacup-Saison punktete er konstant im
Riesenslalom. Ein Erfolg, an den er dieses Jahr anknüpfen
möchte. «Meine Ziele für den kommenden Winter
lauten: Im Europacup vorne mitfahren und bei einigen
Weltcup-Rennen an den Start gehen. Danach steht die
Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen im
Vordergrund», lässt das Skiass wissen.



Trainer Günther Hartung dachte sogar gleich einige Jahre
weiter. «Klares Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2014
in Sotschi in Russland». Fünf Tage in der Woche
trainiert Philipp am Olympiastützpunkt in Oberstdorf. Wie
bei anderen Winterdisziplinen ist auch beim Skifahren das
Sommertraining unerlässlich. Wenn er nicht gerade auf einem
der europäischen Gletscher unterwegs ist, konzentriert er
sich im Oberallgäu auf das Konditions- und Krafttraining.
«Im Sommer sind wir oft zum Muskelaufbau im Kraftraum oder
arbeiten an unserer Ausdauer. Dann gehts auch oft mit dem Rennrad
raus», erzählt Philipp. Das Skitraining selbst ist von
besonderer Bedeutung. Daher wird versucht, so oft wie
möglich in die schneesicheren Berge zu fahren.
Schließlich stehen jedes Jahr Anfang November schon wieder
die ersten Rennen an.



Gearbeitet wird außerdem mit Filmaufnahmen- und Analyse, um
so Technikfehlern auf die Spur zu kommen und diese gezielt zu
verbessern. «Um acht Uhr, wenn die Lifte öffnen, gehts
auf die Piste. Nach der Mittagspause ist dann Konditionstraining
am Ergometer und Rumpftraining», beschreibt Philipp einen
typischen Trainingstag. Mit einem Studium oder einer
Arbeitsstelle wäre so ein Trainings- und Wettkampfumfang
kaum zu kombinieren. Während der Schulzeit wohnte das
Nachwuchstalent im Skiinternat in Oberstdorf, um
bestmögliche Ski- und Schulleistungen erzielen zu
können. Mittlerweile ist der 23-Jährige im Ski-Team des
Zolls und kann auf dessen Rückhalt zählen.
«Für das Training und die vielen Wettkämpfe
bekomme ich immer frei. Ohne den Zoll könnte ich den
Leistungssport gar nicht machen», sagt Philipp anerkennend.



Die Bundeszollverwaltung fördert bereits seit Jahrzehnten
Spitzensport und stellt die Angehörigen des Ski-Teams als
Beamte des einfachen Zolldienstes ein. Das intensive Training hat
den Skirennläufer des SC Oberstaufen weit noch oben
gebracht. Einen deutlichen Abstand zur Weltspitze gesteht das
Talent aber ein. «Zu den Topläufern ist es schon noch
ein Sprung. In Deutschland ist es Felix Neureuther, an dem wir
uns messen. Im Weltcup ist es brutal hart, sich
durchzusetzen.»



In den Rennen noch besser



Trainer Günther Hartung zeigt sich jedoch zuversichtlich.
«Die Chancen stehen gut, dass sich Philipp einmal im
Weltcup etablieren wird. Seine mentale Stärke ist ein
großer Erfolgsfaktor. In den Rennen fährt er meist
sogar noch besser als im Training.



Kleine Schwächen gibt es noch im koordinativen Bereich.
Durch spezielle Balancier- und Koordinationsübungen, auch
mal auf einem Drahtseil oder auf Bäumen, gehen wir diese
Defizite gezielt an», erklärt Günther Hartung.



«Skifahren selbst ist für mich eine große
Motivation», betont das Skitalent. «Wenn ich morgens
um acht als Erster auf dem Berg stehe und die Sonne scheint, dann
weiß ich, warum ich so viel trainiere.»

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