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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
29.01.2010

Wer bekommt das weiße Gold?

Zurück zu den Anfängen und Splitt streuen, heißt es für Bauhofleiter Ludwig Müller aus Burgberg. «Seit Mitte Januar bekommen wir von der Straßenmeisterei Sonthofen schon kein Salz mehr», erzählt Müller. Er bleibt aber gelassen: «Es ist eben Winter.»


Ihm geht es wie seinen Kollegen in den Gemeinden Blaichach und
Rettenberg, die alle am «Tropf» der
Straßenmeisterei hängen, da sie kein eigenes Salzlager
unterhalten. Das Staatliche Bauamt in Kempten musste den
«Salzhahn» in Sonthofen zudrehen, da durch die seit
Wochen herrschende Wetterlage in Gesamtdeutschland mehr Salz
gestreut wurde, als von den Salzproduzenten nachgeliefert werden
konnte. Beispielsweise die Südwestdeutschen Salzwerke (SWS)
können die zahlreichen kurzfristigen Anfragen aus ganz
Deutschland nicht mehr bedienen. Schuld daran sei nicht nur der
Wintereinbruch, sondern auch das Bestellverhalten der Kunden, die
zu knapp ordern würden, erklärte Harald Müller von
der SWS-Winterdienst GmbH. «Bei unseren Großabnehmern
werden wir den vertraglichen Pflichten nachkommen und
pünktlich liefern», sagt er aber zu.



Großabnehmer wie die Sonthofer Straßenmeisterei, die
im Jahr durchschnittlich 10000 Tonnen des «weißen
Goldes» auf die Staats-, Bundes-, und Kreisstraßen
des Oberallgäus streut, um dem Winterzauber Herr zu werden.
Mit noch etwa 700 Tonnen Salz im Vorratsspeicher sind die
Streufahrzeuge hier für das Wintersport-Wochenende
gewappnet. «Wir verbrauchen diese Menge in etwa fünf
Tagen im Oberallgäu mit Landkreis Lindau», lässt
Michael Stetter als stellvertretender Leiter in Sonthofen wissen.
Um «schwarze» Fahrbahnen gewährleisten zu
können, muss bei Stetter jeden Werktag ein Lastzug Salz vom
Produzenten anrollen. Doch wenn es weiter im gesamten
Bundesgebiet so wie in den letzten Tagen schneie, glaube er nicht
mehr daran, versorgt zu werden. Seiner Meinung nach werde es
schneebedeckte Straßen geben.



«Die Bürger haben oft den Eindruck, dass wir zu viel
streuen. Das trifft aber nicht zu. Wir streuen
vorausschauend», erklärte der Leiter des Staatlichen
Bauamtes Kempten, Bruno Fischle, gestern bei einem Besuch in der
Straßenmeisterei Sonthofen. Fischle bestätigte, dass
die «Pufferlager» leer seien. Deshalb könne man
die Gemeinden nicht mehr beliefern. Für die Allgäuer
sei es ein ganz normaler Winter, es gebe nur eine Besonderheit:
die Situation bei den Salzproduzenten. «Wir leben von der
Hand in den Mund», kommentierte Fischle die
Lieferschwierigkeiten.



Neben den drei «salzlosen» Gemeinden scheint die Lage
auch andernorts ähnlich zu sein. In Bad Hindelang wurden die
leeren Lager noch rechtzeitig vor dem Wochenende wieder
aufgefüllt. Aber auch hier geht man mit dem Mangel gelassen
um: So schlug im Gemeinderat schlug Albert Keck vor, Salz nicht
nur zu sparen, wenn es knapp ist. Man sehe ja, dass es im Notfall
auch mit weniger gehe. Bürgermeister Adalbert Martin
plädiert dafür, gerade auf untergeordneten Wegen
weniger zu salzen. Auch in Immenstadt wird gespart. Hans-Peter
Linder vom städtischen Betriebshof muss mit seinem
Lagerbestand wirtschaften, findet aber die Verhältnisse
normal für das Allgäu. «Die Lage ist nicht so
scharf », meint er.



Gut ausgestattet für das Skifliegen am Wochenende sieht sich
Martin Winkler vom Bauhof Oberstdorf: «Wir haben 400 Tonnen
und kommen schon klar.» Sparen will Winkler aber nicht:
«Wenn ich nicht salze, muss ich mit meinem Hab und Gut
haften, wenn jemand ausrutscht. Für mich gibt es keine
Alternative zum Salz.» Die weiße Pracht auf den Wegen
im Ort schmilzt er bewusst ein - «wir haben 160 km
Wanderwege, das reicht.»

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