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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
20.02.2010

Vielfältige Probleme in einer komplexen Lebenswelt

Früher richtete sich die Hilfe speziell auf das betroffene Kind, seit den 90er Jahren haben die Berater die ganze Familie im Blick. Viel hat sich geändert in 30 Jahren Erziehungsberatung in Sonthofen - in Schule und Gesellschaft. Auch das Netzwerk an Hilfsangeboten ist besser. Früher waren in der Region laut Franz Gailer auch Ergotherapeuten und Psychologen Mangelware.


Gailer weiß, wovon er redet. Der Leiter der
«Psycholgischen Beratungsstelle für Erziehungs-,
Jugend- und Familienberatung» ist fast seit deren Anfang in
Sonthofen dabei. Quantitativ haben die Probleme laut Statistik
zugenommen. Gab es in den ersten Jahren im Schnitt um die 160
Anmeldungen von Problemkindern, so sind es jetzt um die 350.
«Unsere Lebenswelt ist heute komplexer, die Probleme sind
vielfältiger», so Gailer. Zugleich sei die
Gesellschaft weit sensibler und hellhöriger, greife Probleme
schneller auf: «Gewalt und Missbrauch müssen nicht nur
zugenommen haben.»



Mobbing zum Beispiel ist ein moderner Begriff. Doch
körperlichen und psychischen Druck, den Täter auf
Schwächere ausüben, habe es schon früher gegeben.
Dennoch empfindet der Psychologe die Situation als
verändert: Früher hätten Kinder mehr Grenzen
gekannt, heute werde nachgetreten. Was es vor einem Jahrzehnt
auch nicht gab: Dass junge Menschen andere nur quälen, um
das mit dem Handy zu fotografieren. Doch Gailer wertet es als
großen Fortschritt, wenn Mobbingopfer überhaupt mit
den Eltern reden. Nur dann könne man handeln.



Manche Probleme sind eher «saisonal»: Vor fünf,
sechs Jahren seien viele Jugendliche ohne Lehrstelle gewesen und
deshalb psychisch belastet. Das sei heute besser, dafür
wachse nun der Druck in der Ausbildung; es gebe immer weniger
Stellen für Geringqualifizierte.



Mit den Eltern reden



Zugenommen haben in der Beratungsstelle auch die Probleme nach
Trennung oder Scheidung der Eltern. 1979 lebten laut Gailer 70
Prozent der betreuten Kinder bei beiden Eltern. Jetzt sind es
noch 47 Prozent. Gibt es da bei der wechselnden Betreuung des
Kinder Probleme - etwa weil sich ein Elternteil sorgt, ob der
andere alles richtig macht - kann die Beratungsstelle die
Übergabe der Kinder begleiten oder mit den Eltern reden. Bei
Bedarf gibt es Treffen zwischen Kind und Elternteil auch unter
Aufsicht in den Räumen der Erziehungsberatung.

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