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Allgäuer Zeitung

Montag, 19. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
09.03.2010

Landflucht macht Sorgen: «Wir werden familienlos»

Sie ist die einzige Bürgermeisterin im Oberallgäu: Monika Zeller aus Bolsterlang. Zum gestrigen Weltfrauentag beschrieb sie die heutige Situation von Frauen in Familie, Beruf, Kirche und Politik. Beim Thementag des ökumenischen Frauenkreises Sonthofen in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Oberallgäu waren im evangelischen Gemeindezentrum der Kreisstadt alle Plätze besetzt.


Monika Zeller sei als starke Frau, ein Vorbild, kündigte die
Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ilona Authried, die
Kommunalpolitikerin an. «Wir sind Multi-Tasking-Genies, wir
können mehrere Tätigkeiten und Rollen gleichzeitig
ausfüllen», erklärte die 49-jährige
Rathaus-Chefin selbstbewusst. Allerdings: Wie eine indische
Göttin mit vielen Armen würden Frauen heute zeitgleich
alles sein wollen, Mutter, Köchin, Putzfrau, Freundin,
Geliebte, erfolgreich im Beruf, gut aussehend und perfekt in
allen Lebenslagen. Dies sei jedoch nur schwer möglich. Daher
appelliert Zeller an ihre Geschlechtsgenossinnen, dass man als
Frau durchaus auch Schwäche zeigen dürfe. Aber bei
Entscheidungen sollte man selbstbestimmt agieren. Die Rednerin:
«Nur zufriedene Mütter haben zufriedene Kinder.»



«Die Kirche grenzt Frauen aus»



Kritik übte Zeller an den kirchlichen Institutionen, die
«in festgefahrenen Stellungen verharren». Frauen
würden gewissermaßen sogar ausgegrenzt. Denn sie
wollten Veränderungen, was für die Kirchen aber nicht
infrage komme. Das Thema Landflucht unter den Frauen im
Allgäu sieht die Rednerin ebenfalls als problematisch an.
Viele Frauen sähen ihre Zukunft nicht mehr in den
ländlichen Gemeinden. Dem müsse man entgegensteuern,
sonst «werden wir familienlos.»



In der Politik erkennt Zeller noch ungenutzte Karrierechancen
für Frauen. So sieht es auch die ehemalige stellvertretende
Landrätin Marie-Luise Hauser. «Vernetzen» sei
das Zauberwort für die erfolgreiche Frau in der
Gesellschaft. Erfahrenere könnten jüngere an
Ämtern interessierte Frauen an die Hand nehmen, meinen
Zeller und Hauser.



Dafür ist die dreifache Mutter und Bürgermeisterin ein
Wegweiser. Als sie 2008 zur Kandidatur
«überredet» wurde, hatte sie Respekt vor der
Aufgabe. «Die Bürger waren skeptisch, ob das einer
Frau zuzutrauen ist.» Doch mit «Offenheit und
Ehrlichkeit» - ausgesprochene Stärken von Frauen, wie
sie meint - holte sie 63 Prozent. Monika Zeller hofft, dass sie
andere Frauen auf diese Weise motivieren kann.



Frauenbild in den Weltreligionen



Über «das Frauenbild in den Weltreligionen»
sprachen bei einer anschließenden Podiumsdiskussion die
Frauenseelsorgerin Ida-Anna Braun, Pfarrerin Antje Pfeil-Birant,
die Islamwissenschaftlerin Derya Shahan und Ibo Gauter von der
israelitischen Kultusgemeinde sowie die Buddhistin Ramona Kramp.
Der muslimische Frauenkreis Oberallgäu hatte für die
Veranstaltung ein internationales Buffet zubereitet.

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