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Allgäuer Zeitung

Montag, 9. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
23.03.2010

Ansteckende Leidenschaft von Bach bis Piazzolla

Begeisterung wirkt manchmal ansteckend. Katarzyna Mykas Augen leuchten, wenn sie von der Marimba spricht. Jenem Schlaginstrument, das der afrikanischen Folklore entstammt und heute sogar Eingang in die Kunstmusik gefunden hat. Und Katarzyna Myka weiß zu überzeugen. Nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Können. Außerordentlichem Können, das die polnische Virtuosin bei ihrem Auftritt im Immenstädter Schloss auf vielfältigste Weise demonstriert.


Ein Soloprogramm bietet sie im barocken Festsaal auf ihrem
xylophonartigen Instrument, einer fünfoktavigen Marimba, bei
welcher der Klang der Palisander-Hölzer durch
Aluminiumresonatoren verstärkt wird. Erst seit etwa 20
Jahren existiere diese Version des Instrumentes, erklärt die
Preisträgerin wichtiger internationaler Wettbewerbe in
perfektem Deutsch. Natürlich und charmant moderiert sie
selbst ihr Programm, erläutert ihr beeindruckendes
Plädoyer für ein Mitglied der Schlagwerkfamilie, das
ungewöhnliche Eigenschaften besitzt und für das noch
nicht allzu viel Originalliteratur besteht.



Deswegen führt Katarzyna Myka die außerordentlich
breiten klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten der Marimba auch
anhand einiger Bearbeitungen vor: In Wolfgang Amadé
Mozarts Adagio für Glasharmonika (KV 356) imitiert sie
tatsächlich den märchenhaft geheimnisvollen Ton der auf
einer Achse aufgereihten, ineinandergeschobenen, rotierenden
Glasscheiben. Aus Sergej Prokofjews Tanz der Grafen aus dem
Ballett «Romeo und Julia» spricht musikalischer Witz
und in Astor Piazzollas «Libertango» glüht die
argentinische Leidenschaft.



Mit ihrem dem Cello ähnlichen, warmen Klang eignet sich die
Marimba aber sogar zur Interpretation von Johann Sebastian Bachs
berühmten Solosuiten, wie Katarzyna Myka eindrucksvoll unter
Beweis stellt. In der an diesem Abend präsentierten Suite
Nr.



2 in d-Moll, BWV 1008, wirkt zwar die Verwendung des
Schlagwerk-Geräts zunächst etwas
gewöhnungsbedürftig, überzeugt letztendlich aber
vor allem in einer überaus charaktervollen und stets
eigenständigen Ausdeutung der Tanzsätze Sarabande,
Menuet und Gigue.



Von den Originalkompositionen für Marimba, die Katarzyna
Myka an diesem Abend interpretiert und zum Teil selbst im Auftrag
gegeben hat, hinterlassen zwei den größten Eindruck:
Die mitreißende rhythmische Kraft entwickelnde
«Ilijas» des serbischen Meisters Neboja Jovan ivkovi
und die an klassischen Formen orientierte Variationsfolge
über Evelyn Glennies «Kleines Gebet» von Ney
Rosauro aus Brasilien.



Letztere führt noch einmal die Vielfalt des Instruments
anhand eines fantasievollen Spiels mit einer eingängigen
Weise vor - vom vergeistigten Ton bis zum gewaltigen Orgelklang.



So beantwortet am Ende eine große Begeisterung des recht
stattlich erschienenen Publikums dieses ungewöhnliche
Kammermusikangebot.



Vorschau: Katarzyna Myka (Percussion) wird zusammen mit dem
Mandelring-Quartett einen Kammermusikabend bei der Sonthofer
Gesellschaft «Freunde der Musik» am Samstag, 8.
Januar 2011, im Hotel Allgäu-Stern gestalten.

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