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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
08.04.2010

Dunkle Ecken in der Dealer-Szene

Mit dem Ausleuchten der Drogenhandel-Szene im Oberallgäu haben es Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht nicht immer leicht. Drei Beispiele an einem einzigen Tag vor dem Amtsgericht Sonthofen zeigen dies.


Ein eisern schweigender Haschisch-Konsument, der lieber ins
Gefängnis geht als den Namen seines Lieferanten
preiszugeben. Ein Zeuge, der womöglich den Verdacht auf
einen entfernt bekannten «Kiffer» lenkt, um den
wahren Rauschgift-Dealer zu schützen. Und eine Frau, deren
Vorstrafenregister darauf hindeutet, dass sie eventuell noch
immer als Zwischenhändlerin auftritt. Allerdings fällt
die Anklage in sich zusammen, weil der als Zeuge geladene
vermeintliche Kunde unglaubwürdig wirkt. Ein Freispruch aus
Mangel an Beweisen schwingt daher zwangsläufig bei solchen
Gerichtsprozessen mit.



Angst vor dem Lieferanten?



Fall Nummer eins: Da hockt ein junger Mann auf der Anklagebank,
den Polizisten wegen anderweitiger Missetaten aus der Haft
vorführen und bei dem ein Krümel Haschisch sowie eine
gezüchtete Cannabis-Pflanze entdeckt worden waren. Richter
Andy Kögl konzentriert sich auf Letzteres, obwohl dem jungen
Mann auch noch ein Diebstahl und das Abzweigen von Strom
vorgehalten werden. «Wenn Sie Ihre Hintermänner
benennen, wäre dies strafmildernd», versucht der
Vorsitzende, dem Angeklagten eine goldene Brücke zu bauen.
Langes Überlegen, dann ein entschiedenes Kopfschütteln.
Da muss wohl die Angst vor dem Dealer größer sein als
weiter im Gefängnis zu sitzen, denkt sich der Richter laut.
Das Urteil für den Uneinsichtigen: sieben Monate hinter
Gittern.



Fall Nummer zwei: Angeblich werden zehn Gramm Marihuana in der
Wohnung des Angeklagten an den Drogenabnehmer verkauft, der dies
vor Gericht so auch bekundet. Indes tritt ein anderer Zeuge auf,
der den Beschuldigten wiederum entlastet. Wer von den beiden
lügt nun? Zweifel bei Richter Kögl, wie es wirklich
war. Ihm bleibt nichts anderes übrig als den mehrmaligen
Rauschgiftkonsumenten, der nun erstmals zum Händler
aufgestiegen sein soll, als unbescholten nach Hause zu schicken:
Freispruch aus Mangeln an Beweisen.



Fall Nummer drei: Erneut treten der zuletzt als unsicherer
Kantonist eingestufte Belastungszeuge und der vorherige
Entlastungszeuge vor Gericht auf. Sie sollen beantworten, ob
ihnen die angeklagte Frau Haschisch und Amphetamin verkauft habe.
«Es ist überhaupt nichts passiert», wehrt sich
die Beschuldigte nach Kräften.



Sie kann belegen, dass sie inzwischen sauber ist. Allerdings
schleppt sie einige Urteile aus früheren Verfahren mit sich
herum, die sie als Dealerin entlarvten. Während ihr
Verteidiger einen «totalen Freispruch» für seine
Mandantin verlangt, setzt es dann doch eine Geldstrafe von 800
Euro (40 Tagessätze) für die unter offener
Bewährung stehende Frau. Zumindest die Aufzucht eines
Cannabis-Samenkorns zum Rauschgiftpflänzchen kann ihr
nachgewiesen werden.

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