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Allgäuer Zeitung

Montag, 9. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
09.04.2010

Drei Rupfensäcke voll Tannenbart fürs Wilde Mändle

Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, wenn 14 Oberstdorfer Männer, von Kopf bis Fuß gekleidet in ein grünes Gewand aus Tannenbart, in der Oybele-Halle den mystischen «Wilde-Mändle-Tanz» aufführen. Nur alle fünf Jahre wird das eindrucksvolle Schauspiel aus keltischer Vorzeit gezeigt. Ab dem 5. Juni ist es wieder so weit.


Beim Wilde-Mändle-Tanz mitwirken zu dürfen, bleibt den
Nachkommen der alteingesessenen Oberstdorfer Familien
vorbehalten. Es sei eine große Ehre, zu dieser Gruppe zu
gehören, sagt Tanzmeister Toni Huber: «Der Wilde
Mändle Tanz ist etwas ganz Besonderes. Jeder von uns freut
sich darauf. In dieser Zeit gibt es für uns nichts anderes -
keinen Urlaub, aber viele Proben.» Und die Besucher kommen
von weit her nach Oberstdorf. «Viele sehen sich gleich
mehrere Aufführungen an.»



Die Proben fürs Wilde-Mändle-Jahr 2010 haben
längst begonnen. Es sei nicht einfach, die typischen
Bewegungen einzustudieren, die den Tanz ausmachen, sagt Huber.
«Die Wilden Mändle gehen nicht, sie springen und
stampfen. Von diesen ungewohnten Bewegungsabläufen bekommt
jeder erst mal einen anständigen Muskelkater.



» Sorgfältig einstudiert werden auch Figuren wie
«Altar» oder «Große Pyramide», bei
dem ein Tänzer auf dem Rücken oder auf den Schultern
des anderen steht. Ein bisschen sportlich müsse man schon
sein.



50 Stunden an der Nähmaschine



In den Familien sitzen die Frauen oder Freundinnen an ihren
Nähmaschinen und schneidern das «Häs»
für die Tänzer. Schon im Spätherbst wurde der
Tannenbart gesammelt, den es nur in 1300 bis 1600 Metern
Höhe gibt. Mittlerweile ist Tannenbart im Oberallgäu
rar geworden und so müssen die Tänzer zum Sammeln
bereits bis nach Österreich und in die Schweiz fahren. Drei
große Rupfensäcke voll braucht man mindestens für
ein komplettes Häs. Zu Hause wird der Tannenbart
sorgfältig ausgerupft und sortiert: Die langen Stücke
braucht man für den



Kinnbart, die dunklen für den



Oberlippenbart. Der Tannenbart wird mit einem speziellen
Sattlergarn lagenweise auf einen Arbeitsanzug genäht. Rund
50 Stunden Arbeit an der Nähmaschine dauert es schon, bis
ein Wilde-Mändle-Häs ganz fertig ist, bis die Kapuze
benäht und die Turnschuhe beklebt sind. Vor jeder
Aufführung werden der Kranz aus Stechholderblättern und
der Gürtel aus Tannenzweigen neu geflochten und nach jeder
Aufführung muss das Häs wieder geflickt und
ausgebessert werden. Ein komplettes Wilde-Mändle-Gewand
wiegt fast zehn Kilo. «Da kommt man auf der Bühne ganz
schön ins Schwitzen», sagt Tanzmeister Huber. Die
Hände bleiben beim Tanz unbedeckt. «Man muss bei den
Figuren ja richtig zupacken können.» Die Gruppe der
«Wilden Mändle» gehört zum Trachtenverein.
Und da wird sehr darauf geachtet, dass der 2000 Jahre alte Tanz
nicht kommerzialisiert wird.



Deshalb finden auch nur alle fünf Jahre Aufführungen
statt. Diesmal gibt es sogar einen Tanz am Renksteg unter freiem
Himmel. «Wollen wir hoffen, dass das Wetter
hält», meint Huber.



Eintrittskarten zu den Veranstaltungen vom 5. Juni bis zum 25.
September gibt es bei Tourismus Oberstdorf unter Telefon
08322/700-290.

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