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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
10.04.2010

Nach Kaufrausch bittere Tränen vergossen

Beobachter im Gerichtssaal merkten es Richter Andy Kögl an, dass ihm dieses Urteil gegen eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern schwer- fiel, zumal auf der Anklagebank viele Tränen flossen. Letztendlich, so sah es der Vorsitzende bei dem Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Sonthofen, habe es aber keine andere Möglichkeit mehr gegeben, als die mehrfach vorbestrafte und unter Bewährung stehende Frau aus dem Oberallgäu wegen gewerbsmäßigen Betrugs für zwei Jahre ins Gefängnis zu schicken. Vielleicht kann sie sich jetzt einer erfolgreichen Therapie wegen ihres offensichtlichen Kaufrausches unterziehen.


Handys, Navigationsgeräte, eine Digitalkamera, Kleider
für mehrere Hundert Euro, Schuhe von ebenfalls
beträchtlichem Wert, Friseurbesuche - all dies stand auf der
Wunschliste. Dabei lebt die Frau von Hartz IV. Ihre
Vermögensverhältnisse, so hielt es der Staatsanwalt in
seiner Anklageschrift fest, seien «desolat».



Dennoch gelang es ihr immer wieder, mit ihrer EC-Karte Waren zu
ordern und sogar ein Darlehen von einer Bank zu ergattern.



Taxifahrt und Flugreise



Gipfel bei den neun angeklagten Betrugsfällen war eine
Pauschalflugreise der Mutter und ihrer drei Kinder nach Tunesien
mit vorheriger Taxifahrt zum Flugplatz Stuttgart. Die Angeklagte
händeringend: «Ich konnte meinen Kindern doch sonst
nichts bieten».



Gezahlt wurde bei all den zusammengetragenen Dingen nur in einem
Fall. Einmal wurde un-



ter falschem Namen eingekauft.



«Ich habe großen Mist gebaut. Das ist wie eine Sucht.
Ich brauche Hilfe», schluchzte die Frau vor Richter
Kögl. Wie auch ihre Verteidigerin bat sie um eine
letztmalige Chance, mit einer Bewährungsstrafe
davonzukommen, um bei ihren Kindern bleiben zu dürfen.
Immerhin hatte sie sich nach der Taxifahrt und Flugreise selbst
angezeigt.



Der Staatsanwalt sah mit seiner Forderung nach zwei Jahren und
zwei Monaten Gefängnis für die Frau keine Chance mehr,
Gnade walten zu lassen. Schließlich sei es bei den
Betrügereien «um Luxusgüter» gegangen. Von
einer Kaufsucht, die die Schuld der Frau mildert, ging Richter
Kögl aus. Aber auch er erkannte keine
Bewährungsmöglichkeit mehr in Freiheit für die
Angeklagte.



Nur Bargeschäfte waren erlaubt



Hätten Sie doch Ihre EC-Karte beizeiten zurückgegeben!,
nahm er die Frau ins Gebet. Schon im letzten
Bewährungsbeschluss war festgehalten gewesen, dass nur noch
Bargeschäfte erlaubt seien. (pts)

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