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Allgäuer Zeitung

Montag, 19. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
08.05.2010

Was London und das Allgäu verbindet

«Gleich nachlegen» lautet das Motto bei den Allgäuer Kehlspatzen - «damit die Disziplin im Chor nicht nachlässt», wie Thomas Müller erklärt, der das Vokalensemble zusammen mit seiner Frau Lena Li leitet. So stehen die Allgäuer Kehlspatzen nach den sensationellen Aufführungen der englischen Barockoper «Dido und Aeneas» von Henry Purcell im vergangenen Jahr erneut vor einem Großprojekt, das im Juni auf die Bühne des Oberstdorf-Hauses kommen soll.


Es verbirgt unter dem eigentlich recht prosaischen Titel
«Poesie» ein außergewöhnliches Programm,
das Gegensätze verbinden will: Die geschäftige
Weltstadt London und die ländlich geprägte Region der
bayerischen Voralpen. Das Gerüst bilden Chorwerke zweier
britischer und eines amerikanischen Komponisten.



Im Mittelpunkt steht dabei der Liederzyklus «From the
Bavarian Highlands», den Edward Elgar 1895 zunächst
für Chor und Klavier komponierte und ein Jahr später
orchestrierte. Der bedeutende britische Spätromantiker hatte
die Jahre zuvor mit seiner Frau Alice einige Urlaube in Bayern
verbracht, darunter im Sommer 1892 in Oberstdorf, wie der
Sonthofer Architekt Marcus Fischer, Bassist bei den Kehlspatzen,
herausgefunden hat. Nach Aufenthalten in Garmisch verfasste Alice
Elgar 1894 sechs Gedichte, die Schuhplattler,
Schnaderhüpferln und andere musikalische Schmankerln
nachahmten.



Diese Texte vertonte Elgar für seine «Szenen aus dem
bayerischen Gebirge».



Die Originalfassung für Klavierbegleitung kombinieren die
Kehlspatzen mit Zeitgenössischem: «Songs and Cries of
London Town» von Bob Chilcott und «Water Night»
von Eric Whitacre. Bob Chilcott, zwölf Jahre lang Mitglied
der renommierten Vokalgruppe «Kings Singers», schrieb
seine fünfsätzige Kantate nach Texten des ausklingenden
17. Jahrhunderts. Sie will das London um 1800 entstehen lassen.
Dem Werk Eric Whitacres liegt ein Gedicht des mexikanischen
Schriftstellers Octavio Paz zugrunde, eine sinnlich subtile
Beobachtung.



Diese anspruchsvollen facettenreichen Kompositionen sollen einen
Dreiklang bilden: «Stadt, Land, Fluss»,
erläutert Susi Winkler, die für das Gesamtkonzept
verantwortlich zeichnet. Sie hat für den Abend einen
zwölfteiligen choreographischen Ablauf erarbeitet und
literarische Texte ausgewählt, die den thematischen
Dreiklang vertiefen sollen und von Eva Schroer vorgetragen
werden: Auszüge aus einer London-Portrait von Peter Ackroyd,
Gedanken über einen Fluss von Joseph Conrad und Auszüge
aus der Erzählung «Il ritorno in patria» (Die
Heimkehr) von W. G. Sebald. Der Schriftsteller schildert darin
eine Wanderung von Schattwald in seinen Geburtsort Wertach.



Sebald, der im Allgäu aufgewachsen ist und in England lebte,
steckt mit solcher Biographie noch einmal die Pole des thematisch
weiten und doch klar strukturierten Feldes ab, auf das die
Kehlspatzen ihre Besucher mit dem neuen Großprojekt
«Poesie» führen wollen.

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