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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
12.05.2010

Bittere Realität auf der Leinwand

Das Kino ist ein Ort, an dem man der Realität entfliehen und in Fantasiewelten eintauchen kann. Filme können ihren Zuschauern aber auch Wahrheiten vor Augen führen, die sie vielleicht verdrängt oder vergessen haben. Ein Film, dem dies auf eindrucksvolle Art und Weise gelingt, ist das oscarprämierte Werk «Das Leben der Anderen» von Florian Henckel von Donnersmarck. Der Film zeigt schonungslos die Überwachungsmechanismen der Staatssicherheit in der DDR und die rücksichtslosen Eingriffe in die Privatsphäre der Menschen auf.


«Der Film ist wichtig, weil er emotional
aufrüttelt», sagt Thomas Lukow. Der DDR-Zeitzeuge war
im Rahmen der «Europawoche» auf Einladung des
Oberallgäuer CSUKreisverbands zur Filmvorführung nach
Immenstadt gekommen. Lukow wurde selbst von der Staatssicherheit
überwacht und 1981 wegen Republikflucht zu 20 Monaten
Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen und Bautzen
verurteilt. Seit 2000 leistet er als Referent politische
Bildungsarbeit. Im Union-Filmtheater Immenstadt berichtete er
über sein Leben als Jugendlicher in der DDR. «Als wir
das Buch 1984 von George Orwell lasen, erinnerte uns das System
an die DDR», sagte Lukow. «Aber wir hatten keine
Ahnung, dass die Überwachungsmechanismen viel perfekter
waren.»



Der Film «Das Leben der Anderen» erzählt die
Geschichte des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler, der die Observation
eines Künstlerpaares übernimmt und seinen Opfern -
deren Leben er detailgenau überwacht und aufzeichnet - immer
näher kommt. Viele Details seien aus dramaturgischen
Gründen im Film verändert worden, erklärt der
Zeitzeuge den Kinobesuchern in Immenstadt. Die
Überwachungsräume der Stasi waren nicht im Dachboden
untergebracht, sondern in Wohnungen «treuer Genossen»
oder außerhalb der Häuser der Opfer, was aufgrund
modernster Technik ohne Probleme möglich war.



Die präzise Überwachung prominenter Künstler und
Sportler und deren Privatleben war allerdings unter dem
DDR-Regime gängige Praxis. Auch Aushängeschilder wie
die Eiskunstläuferin Katharina Witt seien ausspioniert
worden. «Die Partei wollte nicht das Risiko eingehen, den
Imageschaden der Republikflucht einer bekannten
Persönlichkeit der DDR in Kauf zu nehmen.»



Bittere Realität waren auch die schlimmen Folgen der
staatlichen Überwachung für die Opfer, die wegen
kleinster Vergehen inhaftiert wurden, aber auch für
Täter, die gezwungen wurden, ihnen nahestehende Personen zu
verraten. «Viele Menschen, die Freunde und Verwandte
bespitzeln mussten, sind heute in psychotherapeutischer
Behandlung.» erzählte Lukow. «Ehen und
Freundschaften wurden damals zerbrochen.»

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