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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
31.05.2010

Eine Eibe könnte der älteste Baum Deutschlands sein

In dem alten Bergahorn herrscht ein reges Kommen und Gehen: Meise, Buchfink, Baumpieper und Hausrotschwanz bevölkern die knorrigen Äste. In einer Höhle wohnt ein Kleiber - das vermutet zumindest Rolf Eberhardt nach fachmännischem Blick. Der Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette begutachtet den stattlichen Baum, dessen Stamm einen Umfang von 6,50 Metern hat und der wohl rund 350 Jahre alt ist.


Auf dem Hochgrat befinden sich innerhalb eines kleinen Gebiets
außergewöhnlich viele sehr alte Bäume. Auf der
rund zweistündigen Wanderung im Bereich der Mittleren
Stiegalpe und der Oberstiegalpe mit dem Naturpark-Chef zeigt
sich: Der betagte Ahorn (er wird auch der «hohle
Baum» genannt) ist nicht das einzige Naturdenkmal - es gibt
noch eine besonders alte Weißtanne, eine Eibe und eine
Ulme. Außerdem entdeckt Eberhardt eine Vogelkirsche, die er
für ungewöhnlich groß hält, und eine
Eberesche, die aus einem Fels herauswächst und angesichts
dieser kargen Bedingungen auch eine stattliche Größe
erreicht hat.



Lebensraum für Vögel, Insekten, Moose und Flechten



Über die alten Bäume gibt es eine Menge zu
erzählen. «Das sind richtige eigene
Ökosysteme», erklärt Eberhardt und deutet auf
eine kleine Eberesche, die aus dem alten Ahorn herauswächst.
Insekten, Vögel, Moose, Flechten - allen möglichen
Tieren und Pflanzen dienen die mächtigen Bäume als
Lebensraum. Zum Beispiel, erzählt Eberhardt, wachsen auf dem
Bergahorn Moose, die es nur auf dieser Baumart gibt.
Wunderschön ist auch die betagte Ulme, die ihre
prächtigen Äste nach allen Seiten streckt. Eine
Rarität - «Bergulmen sind selten geworden», sagt
Rolf Eberhardt. Der Baum dürfte rund 250 Jahre alt sein. In
unmittelbarer Nähe steht die Weißtanne, die sich etwa
30 Meter in die Höhe reckt und deren Stamm etwa 6,50 Meter
umfasst. Sie ist vermutlich rund 300 Jahre alt.



Einer, der sich intensiv mit den Bäumen beschäftigt,
ist Hubert Rößner aus Waltenhofen. Der Rentner war
früher Forstdirektor. Besonders angetan haben es ihm alte
Eiben. Er kennt das Exemplar am Hochgrat gut und sagt etwas
Erstaunliches: «Ich könnte mir vorstellen, dass das
die älteste Eibe Deutschlands ist.» Das Alter von
Bäumen sei generell schwer zu schätzen
(schließlich hängt das Wachstum von der
Nährstoff- und Wasserversorgung ab). Aber es sei
möglich, dass diese Eibe bis zu 1000 Jahre alt ist. Die Eibe
in Balderschwang, die als Naturdenkmal weitaus bekannter ist, sei
wesentlich jünger, ist sich Rößner sicher.
Behauptungen, dass dieser Baum 4000 Jahre alt sei, hält er
für «Schmarrn».



Die Eibe am Hochgrat, die übrigens weiblich ist, ist recht
klein, was laut Rößner an den extremen
Wetterbedingungen liegt. Eis und Schnee ließen sie immer
wieder abbrechen. Aber ihr Stamm hat einen Umfang von fünf
Metern. Eine ähnlich betagte Eibe gibt es übrigens
nicht weit von Steibis, in dem Oberstaufner Weiler Schindelberg:
Dort steht ein Exemplar mit einem Umfang von 4,80 Metern, dem es
allerdings nicht gut geht - der Baum stirbt gerade. Dieser
Prozess, sagt Rolf Eberhardt, könne 50 bis 60 Jahre dauern.



Hubert Rößner gibt aber die Hoffnung nicht auf:
«Vielleicht erholt sich die Eibe noch einmal.»


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