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Allgäuer Zeitung

Montag, 9. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
07.06.2010

Scheue Gesellen mit grünen Bärten

Mit voller Wucht knallen die Holzkeulen aufeinander. Die riesenhaften grünen Gestalten springen über die Bühne und halten nur inne, wenn sie ihre hölzernen Waffen gekreuzt haben. Nur um zum nächsten wuchtigen Schlag auszuholen. Die geheimnisvollen Wesen sind bis auf die Augen in Tannenbart gehüllt. In Oberstdorf sind die wilden Mändle wieder los.


Alle fünf Jahre veranstaltet der Gebirgstrachten- und
Heimatschutzverein Oberstdorf den wohl ältesten deutschen
Kulturtanz, der seit 1901 von Generation zu Generation
weitergegeben wird. Für den Erhalt dieser Tradition gibt es
jetzt den Kulturpreis des Landkreises.



Gespannt warten die Zuschauer in der proppenvollen
Oybele-Festhalle auf den ersten Auftritt der «Wilden
Mändle», die sich nur alle fünf Jahre zeigen.
Jetzt beginnen sie sich - begleitet von exakt an die Bewegungen
angepassten Klängen der Blasmusik - scheu aus dem
künstlichen Wald am Bühnenrand hervorzutasten.
Zunächst sind nur Arme, Beine und der Kopf zu sehen. Erst
als die «Mändle» die Umgebung ausgespäht
haben, präsentieren sie sich in ihrer vollen Pracht dem
beeindruckten Publikum.



In den verschiedenen Figuren des traditionellen Tanzes formieren
sich die «Mändle» hüpfend zu
unterschiedlichen Aufstellungen, begeben sich in den Kopfstand
und bilden gewaltige Pyramiden. Dabei schwingen sie die Beine und
bewegen ihre Köpfe mit den langen grünen Bärten
rhythmisch im Takt. Als Höhepunkt erheben die
«Mändle» hölzerne Becher und lassen das
Lied der «Wilden Mändle» erschallen.



Nur Männer aus alteingesessene Oberstdorfer Familien
schlüpfen in das «Wilde-Mändle-Häs».
Die für die Verkleidung notwendige seltene Moosflechte
suchen sie im Herbst rund um Südtirol und das Ötztal.
Ihre Frauen nähen das Gewächs auf einen Arbeitsanzug,
damit das «Häs» die Tänze der Saison
übersteht. Das pflanzliche Wintergrün galt in der
Mythologie als Lebensquell, der Wachstum und Gesundheit sichert.



Die Einzigartigkeit des Tanzes sei ein Grund, dass der Verein den
Kulturpreis des Landkreises erhält, sagte Landrat Gebhard
Kaiser bei der Veranstaltung: «Es ist ein besonderes und
einzigartiges Ereignis.» Auch Oberstdorfs
Bürgermeister Laurent Mies dankte den Vereinsmitgliedern:
«Sie sorgen dafür, dass die Identität unserer
Gemeinde erhalten bleibt und unser Brauchtum gepflegt und gelebt
wird.»



Weitere Veranstaltungen sind samstags in der Oybele-Halle in
Oberstdorf - am 26. Juni, 10. Juli, 23. Juli (bei gutem Wetter
Freiluftveranstaltung am Renksteg), 8. und 21. August, 4. und 25.
September. Kartenvorverkauf beim Tourismus Oberstdorf, Telefon
08322/700290.


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