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Allgäuer Zeitung

Donnerstag, 12. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
22.06.2010

840 Kilometer und 12000 Höhenmeter in 38 Stunden

«Man hat mir gesagt, es war der trockenste Glocknerman aller Zeiten», sagt Hermann Dopfer (51) aus Börwang. «Nur acht Stunden Regen.» Die restlichen 30 Stunden dürften aber Schinderei genug gewesen sein. Nach 38:10 Stunden kam Dopfer ins Ziel zurück nach Graz/Österreich. Hinter sich hatte er 840 Kilometer und 12000 Höhenmeter. Immerhin, er stand damit auf dem Treppchen. Dritter war er, wie im vergangenen Jahr, bei der Ultrarad-Marathon-Weltmeisterschaft in seiner Altersklasse Ü50. Pause hatte er in dieser Zeit keine gemacht. «Nur zweimal im Begleitauto kurz umgezogen, Gesicht gewaschen und weiter.» Fast zwei Tage am Stück hatte er in die Pedale getreten. Mit dem Ergebnis, das Ziel verfehlt zu haben: «Ich wollte heuer gewinnen. Aber das Rad ist kaputt gegangen.»


Gangschaltung kaputt



Am Scheidersattel bei Klagenfurt ereilte Dopfer das Pech. Als er
der enteilenden Konkurrenz schnell folgen wollte, verschaltete er
sich und die Gangschaltung löste sich in ihre Bestandteile
auf. Dopfer stieg auf sein 13 Jahre altes Ersatzrad um, verlor
aber eine Viertelstunde und musste abreißen lassen. Das
Spitzenduo war weg, Dopfer resignierte kurzzeitig. «Da
hatte ich einen Hänger, einen moralischen Knacks. Aber ich
habe mir gesagt, jetzt bist du schon da. Jetzt fährst du
auch ins Ziel.» Gesagt und getan. Obwohl der alte Drahtesel
zweieinhalb Kilo schwerer war als sein neues Carbon-Rad,
verteidigte er Platz drei.



Es hatte ganz gut ausgesehen, den Glocknerman dieses Jahr als
Erster zu beenden. «Zum ersten Mal hatte ich keine Probleme
mit der Ernährung», so Dopfer. Vergangenes Jahr musste
er mit Magenproblemen längere Zeit im Begleitauto verbringen
und stand nahe vor dem Aus. In diesem Jahr hatte Dopfer
vorgesorgt. Da er Nudelsalat gut verträgt, hatte er diesen
mit einem Löffel in einen Wurstdarm gedrückt.
«Das war wie ein kleiner Schübling», sagt
Dopfer.



Der Vorteil war die Zeitersparnis: Er musste zum Essen nicht mehr
vom Rad absteigen. «Ich habe den Nudelsalat einfach nur
raus gedrückt.» Die clevere Idee zu dieser Mahlzeit
dazu kam ihm während der Vorbereitung auf den
diesjährigen Glocknerman. «Ich bin zum Metzger
gegangen. Das war überhaupt kein Problem, den Darm zu
bekommen.» Soweit alles prima. Nur sein Carbon-Rad machte
beim Sturm auf den Titel nicht mit.



«Im Ziel ist man nur glücklich»



Alle Mühen, alle Schmerzen, alle Strapazen, nur, um wieder
auf Platz drei ins Ziel zu fahren? «Wenn man im Ziel ist,
ist man nur glücklich», sagt Dopfer. Vergessen ist die
Nacht, in der es nur darum geht, nicht vom Rad zu fallen.



«Dann trinke ich auch mal Red Bull. Obwohl ich das
süße Zeug nicht so mag. Aber das Koffein und der
Zucker wirken unheimlich schnell, in ein paar Minuten.» Und
weiter geht es, bergauf, bergauf, bergauf, dem Großglockner
entgegen. Am Hochtor auf gut 2500 Metern ist der höchste
Punkt erreicht. Dann geht es «nur» noch 400 Kilometer
zurück nach Graz, zur Siegerehrung, wo dann alles vergessen
ist, zumindest bis zum nächsten Jahr.



Dopfer ist ein Rad-Verrückter im positiven Sinn. Er
hält er sich nicht lange damit auf, dass er heuer den
Glocknerman nicht gewonnen hat. «Heute tun mir schon die
Gräten nicht mehr weh», sagt er gut gelaunt.



Am Sonntag wieder im Einsatz



Am Sonntag steigt Hermann Dopfer wieder für ein
Großvorhaben aufs Rad: Bei der Jeantex-Tour, die in sieben
Tagen über 800 Kilometer und 20000 Höhenmeter von
Mittenwald nach Arco am Gardasee führt.

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