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Allgäuer Zeitung

Montag, 16. Dezember 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
21.08.2010

Bürger gegen Mobilfunkmast

In der Hofeinfahrt hat sich ein Kreis von 25 Menschen gebildet. Es wird rege diskutiert. «Bevor der Mast aufgestellt wurde, konnte ich ruhig schlafen», sagt Brigitte Ketzscher. Sie habe auch schon ihr Haus isoliert. Geholfen habe es nichts.«Wenn ich vier Wochen weg bin, schlafe ich viel ruhiger», bestätigt Elfriede Math. Das Problem, das die beiden Oberstdorferinnen beschäftigt, steht auf dem mehrstöckigen Haus gegenüber. Auf dem privaten Wohngebäude in der Naglergasse ist seit 16 Jahren ein Mobilfunkmast. Schon damals hatten Anwohner gegen die Anlage gekämpft.


«Wir sind bis in die höchsten Instanzen
gegangen», sagt Brigitte Schatt. «Was übrig
blieb, war Häme und Spott.» Jetzt hat sich wieder eine
Bürgerinitiative von Menschen gebildet, die
gesundheitsschädigende Folgen in der unmittelbaren
Nachbarschaft befürchten. Anlass sind Arbeiten an dem
Mobilfunkmast. Eine modernere Anlage könne stärkere
Strahlung zur Folge haben, befürchten Anwohner. «Wir
wollen wissen, was da passiert», fordert Udo Siebert.
«Wir erwarten uns Informationen von der Verwaltung.»



Bürgermeister Laurent Mies hat die Anwohner in einem
Schreiben informiert, dass es sich bei den Arbeiten um
Vorbereitungen für den Tausch von älterer gegen neuere
UMTS-Technik handle. Das ergab eine Nachfrage der Kommune beim
Mobilfunkunternehmen. «Nach unseren Informationen erfolgen
nur Wartungsarbeiten», sagt Max Schedler vom Ordnungsamt.



«Am Mast werden keine Veränderungen vorgenommen.
Darüber hinaus habe die Kommune keinen Handlungsspielraum,
so Schedler. «Der Mast ist baugenehmigungsfrei.»



Keine Genehmigung notwendig



Anlagen, die zehn Meter Höhe nicht überschreiten,
brauchen keine Genehmigung, erklärt Ulrich Härle vom
Landratsamt. Der Betreiber des Mobilfunkmastes benötige aber
eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur. Die werde dem
Landratsamt vorgelegt. Bei dem Verfahren wird
überprüft, dass die von den Funkanlagen ausgehenden
Feldstärken nicht die Personenschutzgrenzwerte
überschreiten.



Das befriedigt die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht, da
die gesetzlich festgelegten Grenzwerte nicht ausreichten.
«Wieso werden Mobilfunkmasten nicht auf Schulen,
Kindergärten und Krankenhäuser gebaut, wenn die
Strahlung nicht die Gesundheit gefährdet», sagt
Lidwina von Löwis. «Aber bei uns im Wohngebiet kann
man ihn aufstellen.»



Viele der Menschen, die in der Naglergasse stehen, sind
Vermieter. Der Mobilfunkmast in unmittelbarer Umgebung sei
geschäftsschädigend, sagt Elfriede Math. «Der
Mast vor der Nase stört unsere Gäste, die sich in
Oberstdorf erholen wollen.» Jetzt will die
Bürgerinitiative eine Messung in Auftrag geben, um die
Belastung nachzuweisen.

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