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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
29.09.2010

Bäume fällen und Heuspringen

Franziska ist gut im Vorlesen. Sie spricht laut und trägt interessiert die Inschrift auf dem Informations-Schild vor. Umringt von elf Mitschülern, die gespannt vor der Rosshütte lauschen, lässt die Achtjährige Zahlen, Daten und Fakten rund um das Leben von Waldarbeitern wissen. Die Gruppe ist mit 125 Drittklässlern ins Bergbauernmuseum nach Diepolz gekommen, um alles rund ums Thema Wald zu erfahren. Denn: Der Walderlebnistag bereitet die Kinder auf die Theorie im Heimat- und Sach-Unterricht an den Grundschulen in Stein und Immenstadt vor.


«Wer benutzt die Rosshütte?» ist eine der zu
beantwortenden Fragen im Waldquiz, das die Kinder an der frischen
Luft lösen müssen. «Antwort Aaaaaa»,
schreien alle aus vollem Halse, «ja genau, die Holzarbeiter
übernachten dort, wenn sie im Wald arbeiten», sagt
eine Mutter, die sich noch bereit erklärt hatte, ein Dutzend
der Kinder bei der Tour zu begleiten. Zwölf Gruppen sind
durch den Frage-Parcours unterwegs, der als Höhepunkt zu
Baumfällarbeiten in den Wald führt.



Liam ist ein bisschen knatschig. Ihm ist kalt. Den Schweinen
auch, an denen die Königsegg-Grundschüler vorbei
stapfen. Sie haben sich in ihre Holzhütte verdrückt,
reiben ihre Körper aneinander und fressen bedächtig
ihren Heuhaufen klein. Bei dem Anblick hellt sich Liams Miene
auf. «Ich freu mich schon aufs Heuspringen», sagt er.



Das hat er schon mal gemacht. «Ja, Heuhüpfen»,
ruft ein Klassenkamerad. Die ungeduldigen Kinder werden durch
einen ratternden Traktor abgelenkt. Beim Baumfällen
angekommen, drehen sie wieder voll auf - es wird gerannt,
geschrien, gefragt. Alle wollen sehen, wie es ist, wenn ein Baum
gefällt wird. Der achtjährige Alparslan prescht vor -
er untersucht sofort den Ort des Geschehens.



Überall liegen Holzspäne



Forstarbeiter Georg Rohrmoser hat bereits den Fallkerb aus dem
Stamm der dicken Fichte geschnitten. Überall liegen
Holzspäne und Werkzeug. Jetzt trauen sich auch die
Mädchen an die Stelle. Hilal und Vanessa sammeln
Sägemehl und lassen es langsam durch die Finger rieseln.
«Ich glaub, das wird gleich ganz schön laut»,
sagt Vanessa.



Dann ist es so weit. Georg Rohrmoser erklärt noch schnell,
was man beim Fällen beachten muss, wie man das Baumalter
bestimmt und was man mit dem Holz alles machen kann. «32
bis 37 Meter hoch - etwa 100 Jahre alt,» fasst er knapp
zusammen. «Mei Oma is au scho fast so alt», ruft
einer vorlaut, «Zum fuira braucht ma des»,
brüllt ein anderer Bub. Fragestunde vorbei - jetzt
müssen alle hinter eine Absperrung.



Die Motorsäge macht einen Riesenlärm. Es dauert 30
Sekunden und der Baum fällt. Mit Wucht kracht die Fichte auf
den Waldboden. Jetzt dürfen die Schüler zurück.
Alle rennen. Jeder will der Erste sein. Sie klettern auf den
Stamm und fühlen sich wie Gladiatoren, die gesiegt haben.
«Ich hab die Ringe gezählt - es sind echt über
100», schreit ein Bub. Einige stecken sich ein
Holzstück von der Fichte als Andenken ein.



Dann kommt der krönende Abschluss: Die Kinder dürfen in
einem Museumsstadel in einen Heuhaufen springen - ein
Riesenspaß.

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