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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 25. August 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
25.11.2010

Hilfe, wenn ein Baby nur noch schreit

Draußen ists dunkelgrau, aber Pia Maria hat heute offenbar ihren Sonnenschein-Tag. Friedlich untersucht das Mädchen die bunten Gegenstände, die auf einem Reif aufgefädelt sind - mit Geschmacksprobe versteht sich. Zeit für ihre Mama Tanja Lederer, sich mit Xenia Joos über die Entwicklung ihres Lieblings zu unterhalten. Die vergangenen Wochen holte sich die Untrasriederin öfter Rat in der Schlaf- und Schreisprechstunde beim Kinderschutzbund Kempten.

«Länger als eine halbe Stunde hat Pia Maria meist nicht geschlafen», erzählt Lederer. Also waren die Eltern ständig auf den Beinen mit der Tochter. Irgendwann plagten Tanja Lederer Zweifel - ob mit ihrem erstgeborenen Baby alles in Ordnung ist, ob sie etwas falsch macht.
20 Therapien im Jahr
Mit dieser Unsicherheit schlagen sich viele Eltern herum. Im vergangenen Jahr kümmerte sich die Psychologin und Psychotherapeutin Xenia Joos um 20 Kinder, die entweder nicht in den Schlaf finden oder die dauerhaft schreien. So ausdauernd, dass Mütter und Väter irgendwann am Stock gehen, nicht mehr ein und aus wissen.
«Da ist es dann ganz wichtig, dass man die Eltern unterstützt», weiß die 38-Jährige. Immer wieder komme es vor, dass Schreibabys von ihren entnervten Eltern geschüttelt werden - oft mit tragischen Folgen. Also muss etwas getan werden. «Wenn es irgendwie geht, beziehe ich die Väter mit ein», betont Joos. Männer hätten oft einen unterschiedlichen Blickwinkel. Es sei aber entscheidend, dass sie am gleichen Strang mit der Mama ziehen. Beispielsweise, wenn es darum geht, einen Schlafrhythmus zu etablieren. «Regelmäßige Zeiten und wiederkehrende Signale sind für die Kleinen wichtig», sagt Joos, selbst Mama zweier Kinder. Das gelte auch bei den Schlafzeiten am Tag. Zwischen zwölf und 18 Stunden schlafen die Kleinsten. Dass ihnen nach zwei Stunden wach sein die Augen zufallen, sei normal.
«Weniger ist mehr» lautet ein weiterer Grundsatz beim Umgang mit Schreikindern. Wenn eine Beruhigungsstrategie nicht gleich Erfolg hat, helfe es nichts, nacheinander alles Mögliche zu probieren. Geduld ist auch mal über Wochen gefragt, bis eine Taktik bei den Babys stabil funktioniert, bis eingeschliffen ist, dass nach dem Anziehen des Schlafsacks Schlaf kommt.
In einem Protokoll wird festgehalten, welche Phasen das Kind über den Tag durchlebt. «Bei uns haben wir daran gesehen, dass ein gewisser Rhythmus bereits existiert», erinnert sich Lederer. «Und es hat gut getan zu hören, dass wir nicht allein diese Probleme haben.»
Um organische Ursachen auszuschließen, rät Joos übrigens, auch den Kinderarzt rechtzeitig zu konsultieren. Nicht selten klemmen bei Säuglingen Wirbel, was ihnen Schmerzen bereite. Wenn das ausgeschlossen ist, stellt Joos sich meist auf vier bis fünf Beratungen ein.
So war es auch bei Tanja Lederer. Sie hat die Krise überwunden, ihre Zweifel abgelegt. Jetzt kann sie sich auch wieder vorstellen, dass Pia Maria ein Geschwisterchen bekommt.
Achteinhalb Monate ist Pia Maria jetzt auf der Welt. Nicht immer war es für ihre Mama Tanja Lederer einfach mit ihrer Tochter. Mittlerweile hat sich die Kleine aber an einen stabileren Schlafrhythmus gewöhnt.
Um Verhaltensweisen festzuhalten, die eventuell fürs Kind nicht ideal sind, werden in der Beratung des Kinderschutzbunds Kempten Video-Aufzeichnungen gemacht und später analysiert. Foto: Martina Diemand
Xenia Joos

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