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Allgäuer Zeitung

Freitag, 22. September 2017
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
09.09.2010

Dem Siedlungsbrei entgegen wirken

Fotoband Das Allgäu im Wandel zeigt tiefgreifende Veränderungen der Landschaft auf
Von Christine Bäsch und Günter Jansen (Foto)

Speziell für Allgäu-Liebhaber gedacht ist ein neuer Fotoband, der sich mit den Veränderungen der hiesigen Landschaft in Vergangenheit und Gegenwart befasst und auch einen Blick in die Szenarien der Zukunft gewährt: Allgäu im Wandel von Andreas Güthler. Jenseits von Siedlungen und Verkehrswegen spielt der Landschaftswandel in der öffentlichen Diskussion meist keine Rolle - hier sei doch alles grün und damit scheint alles in Ordnung zu sein. Das neue Buch macht aber deutlich, dass diese Sichtweise zu kurz greift: Unsere Landschaften verändern sich so tiefgreifend wie zuletzt im frühen Mittelalter. Autor Andreas Güthler stand zu einige Fragen Rede und Antwort.
Was hat Sie zu diesem Fotoband bewogen?
Andreas Güthler: Zunächst einmal ist es so, dass nicht ich allein, sondern viele Personen an diesem Buch beteiligt waren - auf der Grundlage von Diplomarbeiten, Studien, wissenschaftlichen Beratungen und durch die Bereitstellung historischer und aktueller Fotografien. Der Tourismus hier lebt von der Landschaft und nicht zuletzt deshalb tragen wir eine große Verantwortung dafür. Das Pendel hat mittlerweile immer mehr in Richtung Wirtschaftsfreundlichkeit ausgeschlagen, was der Kulturlandschaft sehr abträglich sein kann. Unser Bedürfnis ist es, den Menschen einmal den Wandel in der relativ nahen Vergangenheit bis heute aufzuzeigen und Zukunftsszenarien darzulegen, sowie Bewertungen über die fortschreitende Siedlungsflächenzunahme, den Klimawandel, den Tourismus oder die Entwicklung der Berglandwirtschaft an die Hand zu geben.
Stichwort Ski-Tourismus - wie sehen Sie da die Zukunft?
Güthler: Zunächst einmal steht fest, dass wir den Ski-Tourismus existenziell brauchen. Nur wird er heute aufgrund der Klimaveränderung gnadenlos überschätzt. Der Ski-Tourismus wird sich in Zukunft nur noch auf große, schneesichere Zentren konzentrieren. Neue Lifte in unteren Regionen sowie Skiabfahrten ins Tal sind unnütz.
Wie könnte man als Sofortmaßnahme den Landschaftswandel wieder in richtige Bahnen lenken?
Güthler: Es gibt jährlich etwa sechs Millionen touristische Übernachtungen im südlichen Oberallgäu und im Tannheimer Tal. Man könnte nur ein paar Cent aus der jeweiligen Kurtaxe für eine strukturierte und übergreifende Landschaftspflege hernehmen. Das wird in einigen Regionen bereits umgesetzt. Oder die verschiedenen Landratsämter sollten bei Bauanträgen deutlich landschaftsbezogener entscheiden. Eine ganz schnell umsetzbare Geschichte wäre die verstärkte Vermarktung regionaler Produkte. Einheimische, Touristen und Gastronomie müssten noch viel mehr Käse, Wurst und vieles andere aus der Region kaufen, damit sich die Nachfrage vervielfacht. Dann wird auch die stagnierende und rückläufige Alp- und Berglandwirtschaft wieder verstärkt zum Zug kommen, was der heutigen Verbuschung und Verwaldung gegenüber Wiesen und Weiden entgegenwirkt.
Die Ortschaften breiten sich aus, dagegen sinkt die Einwohnerzahl. Was ist zu tun?
Güthler: Wir müssen diesem heutigen Siedlungsbrei entgegenwirken. Heute wird beinahe leichtfertig eine neue Straße geplant oder ein neues Baugebiet ausgewiesen. Das Ausmaß dieser Dinge ist in dem Buch deutlich beschrieben und mit Fotos unterlegt. Viele Straßen sind gar nicht nötig. Bauland sollte durch eine Verdichtung bestehender Siedlungen und nicht durch Ausdehnung im Außenbereich entwickelt werden. Schlimm ist es, wenn Siedlungen ihren dörflichen und touristisch wertvollen Charakter durch den Bau großer Hotels und touristischer Infrastrukturen stark verändern.

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