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Allgäuer Zeitung

Samstag, 29. April 2017
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
04.12.2002

Reflexion der Realität

Von Rosemarie Schwesinger
Sonthofen
Lange bevor das Konzept seiner jüngsten Ausstellung stand, hatte Gunther le Maire bereits das Motto „Sofabilder“ kreiert. Nicht etwa, weil er es sich beim Malen auf dem Kanapee bequem gemacht hätte, sondern wegen einstiger lebhafter Diskussion mit einer „durchaus geschätzten Künstler-Kollegin“, die „normale“, sprich leicht entschlüsselbare gegenständliche Bilder als „Sofabilder“ abqualifizierte. Den Gag hatte Chefarzt Dr. Hans K. Giesen bereitwillig aufgenommen und ein aus dem Klinik-Fundus ausgemustertes Sofa unter die Bilder der jetzt in der Sonthofer Klinik eröffneten Kunstausstellung platziert.

Im Pluralismus der aktullen Kunstwelt erfahren die – oft gering geschätzten – gegenständliche Gestaltungsprinzipien (sofern handwerklich und kompositorisch gut gemacht) eine behutsame Renaissance. Gunther le Maire schwamm hier lange und unbeirrt gegen den Strom der Zeit. Er blieb seinem Gestus, einer künstlerischen Reflexion der Realität, treu. Dass le Maire bereits als oberfränkischer Gymnasiast dicke malerische Lorbeeren erntete, dürfte weitgehend unbekannt sein. So fiel (wie Oberfranke Dr. Giesen erinnerte), dem damaligen Zeichenlehrer Max Escher das große Talent des Dreizehnjährigen auf, der mit zwei Beiträgen auf der Weltausstellung für Schülerzeichnungen in Kairo zu frühem Ruhm gelangte. Die „erfrischend fröhlichen Farben“ seiner späteren Bilder seien – laut Giesen – allerdings wohl dem Umzug le Maires ins künstlerisch inspirierende Allgäu zu danken.
Dem hatte der Laudator und langjährige (politische wie nachbarschaftliche) Weggefährte Alfons Zeller in seiner umfangreichen Rede noch einiges hinzu zu fügen. Neben allen möglichen abstrakten Experimenten und Spielereien mit Formen und Farben sei Gunther le Maire durch Max Escher und später dann durch Arnulf Heimhofer nachhaltig geprägt worden, betonte der Laudator. Seine Bilder seien „unkompliziert und bar jeglicher spiritueller Bedeutungsschwere“. Schließlich sei „Kunst eine Bildersprache und Sprache ein Kommunikationsmittel“, das den Adressaten erreichen und nicht zum unverständlichen Monolog verkommen möchte.
Insofern spricht der kraftvolle, spontane Gestus, die zuweilen kühne, schrille Farbgebung und die Komposition aus Realität und subjektiver Wahrnehmung in den Bildern le Maires eine unmissverständliche Sprache. Fokussiert häufig auf profane „Nebenschauplätze“ einer Landschaft, wie Telefonmasten (beinahe schon ein Markenzeichen le Maires), Abfall-Container, Straßen-Leitpfosten, Sägewerke, morsche Drahtzäune oder Auto-Scheinwerfer, erhält das höchst komplexe Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt eine beinahe philosophische Dimension. Während seine Linien und Schraffuren auf Zeichnungen und Monotypien virtuos den lebendigen Prozess des Schauens und Verstehens von Orten, Situationen und Erlebnissen reflektieren, schwelgen le Maires Öl- und Aquarell-Arbeiten im experimentellen Farbenrausch. Ein von Rosen und Holunder umwucherter Hof, über den sich weiß-graue Wolkenfetzen türmen, sanft gewellte mediterrane Landschaften, eine blau-weiße Rauhreif-Idylle, der Kleine Alpsee vor rabenschwarzer Grünten-Kulisse sind Beispiele von Gunther le Maires (nicht unbedingt immer behaglichen) „Sofabildern“, die bis zum 24. Januar in Sonthofens Klinik ausgestellt werden.

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