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Sonntag, 22. Oktober 2017
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
16.02.2006

Die Gitarre als Kostbarkeit

Oberstaufen (tho). - „Es ist ganz wichtig, eine eigene Vorstellung zu entwickeln, wie eine perfekte Gitarre klingen soll“, sagt Angela Waltner über die Kunst des Gitarrenbaus. Die gebürtige Oberstaufnerin stellt seit 2002 in ihrem Atelier in Berlin-Prenzlauer Berg in mühevoller Handarbeit klassische Konzertgitarren für professionelle Musiker her. Ihre Instrumente werden mittlerweile nicht nur von deutschen Künstlern wie dem Heinrich-Albert Duo gespielt, sondern auch bis nach Südkorea verkauft.
Angela Waltner hat eine klare Vorstellung von einer perfekten Konzertgitarre: „Zum einen muss der Musiker seine musikalischen Vorstellungen zur Gänze mit dem Instrument ausdrücken können“, sagt die Gitarrenbauerin. Das heißt, mit der Gitarre müssen sich viele Klangfarben erzeugen lassen, sie muss laut und leise zu spielen sein, und sie muss natürlich einen schönen Klang haben: „Der Musiker soll durch den Klang der Gitarre inspiriert werden“, versinnbildlicht Waltner ihr Ideal einer perfekten Gitarre. „Zum anderen muss das Instrument die Musik zum Zuhörer transportieren können“, erklärt sie weiter: „Es gibt viele Gitarren, die am Körper sehr laut sind, aber in größeren Räumen schlecht zu hören sind.“ Solche Gitarren setzen sich auch oft nicht durch, wenn man in einem Ensemble spielt.
Die handwerklichen Fertigkeiten des Gitarrenbaus erlernte Angela Waltner, die ihr Abitur 1990 am Lindenberger Gymnasium machte, an der Staatlichen Berufsfachschule für Geigenbau und Zupfinstrumentenbau in Mittenwald (Oberbayern). Von 1995 bis 1997 restaurierte sie dann zunächst in ihrer damaligen Werkstatt in Röthenbach-Oberhäuser vor allem Gitarren aus dem 19. Jahrhundert, ehe sie in Markneukirchen, einer Außenstelle der Westsächsischen Hochschule Zwickau, noch Gitarrenbau studierte. „Für mich war das Studium sehr wichtig, um die theoretischen Grundlagen des Gitarrenbaus zu vertiefen und Kontakte zur Gitarrenszene aufzubauen“, erinnert sich die 35-Jährige an diese Zeit zurück.
Seit 2002 stellt sie in ihrem Atelier in Berlin Konzertgitarren her, handwerkliche Kunstwerke, die viel Zeit brauchen: Gerade einmal acht Gitarren konnte Angela Waltner im vergangenen Jahr produzieren: „Für eine Gitarre brauche ich zwischen 150 und 180 Arbeitsstunden“, erklärt die Instrumentenbauerin. Folglich sind ihre Konzertgitarren auch nicht unter 5000 Euro zu haben.
Für ihre Konzertgitarren in spanischer Tradition setzt sie auf erstklassiges Material. Neben Palisander, Zedro (ein brasilianisches Holz) und Ebenholz verwendet sie auch Holz aus dem Allgäu. Gerade für den klanglich relevantesten Teil, die Decken, greift die Gitarrenbauerin gerne auf Fichtenholz zurück. Dabei schätzt sie langsam wachsendes Holz aus höheren Lagen: „Erst vor wenigen Wochen habe ich eine Fichte in rund 1000 Meter Höhe in Kalzhofen schlagen lassen“, sagt die Gitarrenbauerin. Bevor sie das Holz für den Gitarrenbau verwenden kann, muss sie es jetzt erst einmal mindestens zwei Jahre lang lagern. In einem Oberstaufener Schuppen stapelt sie die etwa fünf Millimeter dicken Tonhölzer, aus denen sie später einmal die Decken ihrer Konzertgitarren fertigen wird.
„Mir ist es wichtig, dass ich schon bei der Ausarbeitung der Decken bestimmte Töne heraushören kann“, erklärt Angela Waltner. Sie ist auf der Suche nach einem tiefen, brummenden und einem hellen, glockigen Ton: „Wenn ich diese beiden Töne heraushören kann, weiß ich, dass die Gitarre eine große Bandbreite an Tönen abdecken wird.“
Während der Bearbeitung der Decken verfeinert sich dann allmählich ihr Gespür für das Klangbild der jeweiligen Gitarre: „Die Kommunikation mit dem Holz ist ein wachsender Prozess“, sagt die Instrumentenbauerin. Ist das Ausgangsmaterial der Decken fünf Millimeter dick, sind es bei der fertigen Gitarre an den dünnsten Stellen nur noch etwa eineinhalb Millimeter: „Für den Klang der fertigen Gitarre sind die unterschiedlichen Stärken an verschiedenen Bereichen der Decke sehr wichtig“, erklärt Angela Waltner eines der vielen Geheimnisse des Gitarrenbaus.

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