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Samstag, 17. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
29.11.2008

Eine Künstlerfamilie mit Liebe zum Oberallgäu

Von Gunther Le Maire | BadHindelang Die Familie Modersohn-Breling ist heute die einzige Künstlerfamilie mit Bezug zum Oberallgäu. Dort wurde die dritte Frau von Otto Modersohn heimisch, die Sängerin und später ihm als Malerin nur wenig nachstehende Louise Modersohn-Breling. Ihr Vater Heinrich Breling, in Fischerhude aufgewachsen, war Professor an der Münchner Kunstakademie, ein bekannter Genre- und Historienmaler am Hofe Ludwigs II. Nach dessen Tod zog Breling (ab 1908) wieder nach Fischerhude.


Dort heirateten 1909 Louise und Otto Modersohn. Ihr erster Sohn, Ulrich, ist dort am 15.10.1913 geboren. In Bad Hindelang (Gailenberg) lebte die Familie (einschließlich des zweiten Sohnes Christian) ab 1930 monatelang und nach dem «Rückzug» der Familie 1936 nach Fischerhude blieb Bad Hindelang ein lieber Ferienaufenthalt. Ulrich machte als Legastheniker seinen Eltern in der Schule viel Kummer, aber er malte von klein auf wunderbar. Von 1932 bis 1939 studierte Ulrich Modersohn an der «Nordischen Kunsthochschule» in Bremen, die von Fritz Mackensen geleitet wurde, und an der Münchner Kunstakademie. Zum Entsetzen der Eltern musste er als Student der SA beitreten. 1939 meldete er sich freiwillig als Soldat und kam an die Ostfront. Am 14.7.1943 fiel er bei Bjelgorod. Am Tag zuvor hatte er noch alle Briefe an seine Mutter zurückgeschickt.

Balkon als «Freilichtatelier»

Sein Bruder Christian Modersohn, geboren am 13.10.1916 in Bremen, lernte schon als Siebenjähriger Klavier und Violine und wollte Pianist werden. Als Zwölfjähriger fiel er durch erstaunliche Porträtzeichnungen auf. Er nahm in Gailenberg am Malen seines Vaters ganz unmittelbar teil - der Balkon war eine Art «Freilichtatelier bei jedem Wetter».1935/36 besucht auch er die «Nordische Kunsthochschule» in Bremen, schon 1937 ist er an der Kunstakademie in München Schüler von Prof. Karl Kaspar und Adolf Schinnerer. Bei Letzterem studierte er die Techniken der Alten Meister, lernte die diffizile Abstufung und Transparenz der Farben und entdeckte das Aquarell, das für sein künstlerisches Werk bestimmend wurde.

Damals war noch offen, ob er Maler oder Musiker werden wollte. In München befreundete er sich mit Eugen Roth, dessen «Ein Mensch» er zu Kriegsbeginn illustrierte. 1939 wurde Christian Modersohn Soldat. Nach einer Verwundung war er 1940 wieder an der Akademie, kam wieder an die Front, wurde erneut verwundet und war 1943, als sein Vater starb und sein Bruder fiel, in Fischerhude. 1946 zogen seine Mutter und er nach Gailenberg. Dort heiratete er 1947 Anna Lipp aus Bad Hindelang. Zwischen 1948 und 1961 wurden ihre vier Kinder - Heinrich, Ulrich, Antje und Johannes - geboren. Im Modersohn-Haus in Gailenberg entstand 1948 eine Galerie der Familie. 1957 verlegte die Familie ihren Wohnsitz endgültig nach Fischerhude. Christian errichtete dort 1974 das Otto-Modersohn-Museum, das bis 1996 immer wieder erweitert wurde.

Christian Modersohn stellte in ganz Deutschland aus, auch in Bad Hindelang. Im Allgäu malte er häufig. Seine Landschaften führen die Tradition des Vaters in neuer Form weiter. Das Werk ist geprägt vom hohen Himmel, Nebeln und Wasserläufen um Fischerhude und andererseits vom Allgäu, bei ihm als weite Berglandschaft mit bewegten Himmeln. Christian Modersohn, Freund von Helmut Schmidt, setzt mit perfekter Aquarelltechnik Landschaftsstimmungen um. Je länger man sie ansieht, desto stärker wirken sie.

Sein ältester Sohn Heinrich, am 8.8.1947 in Bad Hindelang geboren, führt die Familientradition «Natur und Landschaft» fort - abstrahiert, parallel zur Natur.

Aufgewachsen im Fischerhuder Elternhaus, studierte er an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg, lebte dann in Paris und in Süddeutschland, hatte Gastdozenturen an der Kunstakademie Weißensee, Berlin und der Muthesius-Hochschule Kiel. Seit langem lebt er in Hellwege und kommt gern ins Allgäu. Heinrich Modersohn hat in zahlreichen Ausstellungen vor allem großformatige Aquarelle (zum Beispiel 118 x 180 cm) und Holzschnitte (zum Beispiel 125 x 125 cm) und interessante Materialkompositionen gezeigt (Tusche auf Leinwand). «Holzdrucke» sagt er, nicht Holzschnitte, weil beim Übereinanderdrucken das Bild entsteht und ein Unikat wird. Die Einritzungen in die Druckplatte macht er in der freien Natur und er verwendet oft Gestaltungselemente der Natur.


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